NEW YORK (dpa-AFX) - In der US-Gesundheitsbranche könnte sich das Übernahmekarussell bald weiter drehen. Im Fokus stehen derzeit vor allem Krankenversicherer, in deren Markt die Karten mit der US-Gesundheitsreform neu gemischt wurden. Nach Informationen des in solchen Fällen gewöhnlich gut informierten "Wall Street Journal" zeigt der größte Konzern der Branche, UnitedHealth ( UNITEDHEALTH GROUP Aktie) , Interesse am Versicherer Aetna ( AETNA Aktie) . Und noch weitere Deals seien möglich.

So soll der Versicherungskonzern Anthem eine Übernahme des Konkurrenten Cigna erwägen. Dieser könnte wiederum auch für UnitedHealth in Frage kommen, falls es mit Aetna nicht klappt. Außerdem soll der Gesundheitsdienstleister Humana auf mehreren Einkaufszetteln stehen: An dem Unternehmen könnten wiederum Cigna oder eventuell auch Aetna interessiert sein.

Der Wert der Konzerne, die dabei über den Tisch gehen könnten, liegt im dreistelligen Milliardenbereich. "Es sind verrückte Zeiten", sagte ein Analyst. Sprecher der beteiligten Unternehmen wollten den Bericht nicht kommentieren.

An der Börse sind die potenziellen Zielobjekte nach zuletzt stark gestiegenen Kursen jeweils zwischen 30 Milliarden Dollar und 45 Milliarden Dollar wert. Am ehesten wäre dies für UnitedHealth zu stemmen. Die Nummer eins der Branche, die mit 185 000 Angestellten zahlreiche Dienstleistungen rund um medizinische Versorgungen anbietet, kommt derzeit auf einen Börsenwert von rund 115 Milliarden Dollar.

Die jüngsten Berichte des "WSJ" sorgten am Dienstag für weitere Kursaufschläge bei den Aktien der meisten beteiligten Unternehmen. Dabei ist es dem Bericht zufolge nicht klar, wie viel UnitedHealth zum Beispiel für Aetna auf den Tisch legen will. Zudem soll Anthem bei Cigna abgeblitzt sein.

Ausgelöst wurde das Spekulationsfieber durch die von US-Präsident Barack Obama eingeleitete Reform des US-Gesundheitswesens. Durch das vergangenes Jahr endgültig in Kraft getretene Gesetz "Patient Protection and Affordable Care Act" - wegen der heftigen politischen Auseinandersetzung darüber auch "Obamacare" genannt - ist die Zahl der Krankenversicherten in den USA deutlich gestiegen.

Gleichzeitig stieg der Kostendruck in der Branche, so dass es bereits zu einigen Fusionen und Übernahmen unter Gesundheitsdienstleistern gekommen ist - wobei die Versicherer hier bisher größtenteils außen vor geblieben sind. In diesem Segment der Branche laufen nach Einschätzung der Experten allerdings die ersten positiven Wachstumseffekte der Reform aus und der Kostendruck steigt, so dass jetzt hier eine Reihe von Zusammenschlüssen erwartet wird./zb/fri/men