ESSEN (dpa-AFX) - Der Energiekonzern Innogy <DE000A2AADD2> hat im ersten Quartal etwas mehr verdient als ein Jahr zuvor. Der Anstieg steht dabei im Zusammenhang mit dem Verkauf des tschechischen Gasnetzgeschäfts. Operativ führten die anhaltenden Probleme im britischen Vertriebsgeschäft Npower aber zu einem Gewinnrückgang. Die Jahresprognose bekräftigte der vor der Übernahme durch Wettbewerber Eon <DE000ENAG999> stehende Konzern. Die Innogy-Aktie verlor zum Handelsauftakt rund ein halbes Prozent.

Innogy hatte Ende Februar sein tschechisches Gasnetzgeschäft an die Muttergesellschaft RWE <DE0007037129> verkauft. Den Erlös nutzte der Konzern zur Schuldentilgung, wie Finanzvorstand Bernhard Günther am Dienstag in einer Telefonkonferenz erklärte. Das Nettoergebnis stieg leicht um 3 Prozent auf 662 Millionen Euro.

Bereinigt ging der Gewinn hingegen um ein Drittel auf 407 Millionen Euro zurück - hier belastete die anhaltend schwache Entwicklung im britischen Vertriebsgeschäft. Die fehlenden Ergebnisbeiträge aus dem verkauften tschechischen Geschäft wirkten sich ebenfalls negativ aus. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) nahm um 22 Prozent auf 964 Millionen Euro ab.

Im britischen Vertriebsgeschäft leidet Innogy wie seine Wettbewerber auch unter der Einführung einer Preisobergrenze sowie einem scharfen Wettbewerb. So verlor Npower im ersten Quartal weiter Kunden - ein Trend, der auch im zweiten Quartal anhalten dürfte. Innogy hatte Npower ursprünglich in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem britischen Konkurrenten SSE einbringen wollen, doch der Deal scheiterte. Daraufhin legten die Essener zu Beginn des Jahres erneut ein Sanierungsprogramm auf, Stellenabbau inklusive. Npower wird den Erwartungen zufolge auch in diesem Geschäftsjahr einen Verlust einfahren.

Zudem prüft das Management weiter alle Optionen für das Geschäft. Dabei sei Innogy bereits auch kontaktiert worden - konkrete Verkaufsgespräche fänden jedoch derzeit nicht statt, sagte Günther. Auch bedeute "kontaktiert" nicht unbedingt, dass potenzielle Interessenten Npower ganz übernehmen wollten, sondern oft nur an bestimmten Teilen interessiert seien.

In Deutschland gewann Innogy hingegen rund 130 000 Kunden hinzu. Allerdings fiel auch hier das Ergebnis - so konnte das Unternehmen gestiegene Strom- und Gaspreise wegen des starken Wettbewerbs nicht vollständig an die Kunden weitergeben. Auch im Netzgeschäft, welches den Löwenanteil zum Konzernergebnis beiträgt, sanken die Ergebnisse leicht - hier wirkten sich neben regulatorischen Effekten auch die wegfallenden Beiträge des tschechischen Gasnetzes negativ aus. Zulegen konnte Innogy dagegen bei den erneuerbaren Energien. Neben höheren Marktpreisen profitierte das Unternehmen hier auch von der Inbetriebnahme neuer Anlagen.

Die Jahresprognose bekräftigte Innogy und geht dabei weiter von einem Ergebnisrückgang aus. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte auch wegen Npower von rund 2,6 Milliarden auf 2,3 Milliarden Euro sinken, das bereinigte Nettoergebnis von gut einer Milliarde auf rund 850 Millionen Euro zurückgehen.

Innogy steht vor der Zerschlagung durch die Energiekonzerne RWE <DE0007037129> und Eon. Eon will <DE000ENAG999> die aktuell noch zu RWE gehörende Tochter komplett übernehmen und im Gegenzug den bisherigen Mehrheitsaktionär am eigenen Unternehmen mit knapp 17 Prozent beteiligen. Dabei will Eon das Netzgeschäft und den Stromvertrieb von Innogy behalten, während die erneuerbaren Energien beider Konzerne unter dem Dach von RWE vereint werden sollen. Während der RWE betreffende Teil bereits von der europäischen Wettbewerbsbehörde genehmigt wurde, steht dies für Eon noch aus. Die EU-Kommission prüft den Teil vertieft und will sich bis Ende August entscheiden./nas/tav/jha