TOKIO (dpa-AFX) - Der wichtigste Coronavirus-Berater der japanischen Regierung hat angesichts der rasant gestiegenen Infektionszahlen vor einer Überlastung des Gesundheitssystems gewarnt. "Wenn das Krisenbewusstsein nicht geteilt wird, wird der Druck auf das Gesundheitssystem früher oder später noch gravierender", warnte der Mediziner Shigeru Omi am Donnerstag bei einer Ausschusssitzung im Parlament. Am Donnerstag stieg die Zahl der registrierten Neuinfektionen am dritten Tag in Serie auf einen Höchststand von 3865 Fällen. Am Vortag waren es binnen 24 Stunden 3177 Fälle gewesen.

"Außer Impfungen gibt es nicht viele andere Faktoren, die Infektionen zu senken", sagte Omi. Viele Bürger hätten sich inzwischen an die Corona-Lage gewöhnt, was zum Anstieg der Infektionen beitrage. Andere Faktoren seien neben der Delta-Variante des Virus die Ferienzeit sowie die Olympischen Spiele. Tokios Gouverneurin Yuriko Koike rief die jüngeren Bürger auf, sich impfen zu lassen, zu Hause zu bleiben und die Corona-Maßnahmen zu befolgen. "Die Aktivitäten junger Menschen sind der Schlüssel (um die Infektionen einzudämmen)."

Der Anstieg der Infektionen habe nichts mit Olympia zu tun, sagte Koike am Donnerstag. Der japanische Psychologie-Professor Harada Takayuki von der Universität Tsukuba erklärte gegenüber dem japanischen Fernsehsender NHK, dass im Zuge der fröhlichen Olympia-Stimmung und der Erfolge der japanischen Athletinnen und Athleten viele Menschen das Coronavirus nicht mehr so ernst nähmen.

Sie sähen, dass es scheinbar kein Problem ist, dass Menschen aus aller Welt zu den Spielen kommen und würden nun glauben, Corona sei "keine große Sache". Angesichts des nunmehr vierten Notstands für Tokio setze ein Gewöhnungseffekt ein, die Wirkung der Corona-Maßnahmen schwinde. Gerade jüngeren Japanern wird vorgeworfen, nachts nach Schließung der Restaurants, die keinen Alkohol servieren dürfen, noch auf den Straßen unterwegs zu sein und dort zu trinken./ln/DP/mis