NEW YORK/SAN FRANCISCO (dpa-AFX) - Während sich die großen deutschen Banken schwertun, scheffelt die US-Konkurrenz Milliardengewinne. Amerikas Branchenprimus JPMorgan <US46625H1005> Chase gab am Dienstag bekannt, alleine im zweiten Quartal fast zehn Milliarden US-Dollar verdient zu haben. Die Kontrahenten Goldman Sachs <US38141G1040> und Wells Fargo <US9497461015> schnitten zwar deutlich schlechter ab, doch auch von deren Ergebnissen können die Deutsche Bank <DE0005140008> oder die Commerzbank <DE000CBK1001> derzeit nur träumen.

Sondererlöse und ein starkes Geschäft mit Privatkunden haben den Gewinn der größten US-Bank JPMorgan in den drei Monaten bis Ende Juni auf 9,7 Milliarden Dollar (rund 8,6 Mrd Euro) klettern lassen. Damit verdiente das Geldhaus rund 16 Prozent mehr als vor einem Jahr. "Wir hatten ein starkes zweites Quartal und eine gute erste Jahreshälfte 2019", freute sich Konzernchef Jamie Dimon.

Die Schwäche im Handelsgeschäft mit Wertpapieren wie Anleihen und Aktien hielt allerdings an, und auch im klassischen Investmentbanking, das etwa die Betreuung von Börsengängen umfasst, lief es nicht rund. Dafür boomt das Geschäft mit Kreditkarten, zudem konnte JPMorgan im abgelaufenen Quartal eine Steuergutschrift in Höhe von 768 Millionen Dollar verbuchen. Die gesamten Einnahmen der Bank legten um vier Prozent auf fast 30 Milliarden Dollar zu.

Die führende US-Investmentbank Goldman Sachs, die bislang nicht über ein umfassendes Privatkundengeschäft für Verbraucher verfügt, bekam die Handelsflaute hingegen voll zu spüren und musste deutliche Abstriche machen. Verglichen mit dem Vorjahreswert fiel der Gewinn im zweiten Quartal um rund sechs Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar (1,96 Mrd Euro), wie Goldman Sachs in New York mitteilte. Insgesamt sanken die Erträge um zwei Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar.

Der US-Rivale Wells Fargo kämpft nach verschiedenen Skandalen zwar weiter um seinen Ruf, hat den Quartalsgewinn dank Kostensenkungen und seines lukrativen Kreditgeschäfts aber kräftig erhöht. Unter dem Strich legte der Überschuss im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar (5,5 Mrd Euro) zu, wie Wells Fargo in San Francisco mitteilte. Die Erträge - die gesamten Einnahmen der Bank - stagnierten jedoch bei 21,6 Milliarden Dollar.

Insgesamt belegen die Quartalszahlen einmal mehr, wie sehr die deutschen Großbanken den Anschluss an die US-Konkurrenz verloren haben. Zum Vergleich: Im Auftaktquartal hatte die Deutsche Bank gerade einmal 201 Millionen Euro verdient, für das Gesamtjahr drohen erneut tiefrote Zahlen. Bei der Commerzbank brach der Überschuss im ersten Quartal im Jahresvergleich um mehr als die Hälfte auf 120 Millionen Euro ein. Nachdem ein Zusammenschluss mit der Commerzbank gescheitert war, hatte die Deutsche Bank jüngst einen radikalen Konzernumbau angekündigt, dem Tausende Jobs zum Opfer fallen./hbr/DP/jha