BERLIN (dpa-AFX) - SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich erneut für eine Verlegung der entscheidenden Spiele bei der Fußball-EM und zudem weniger Zuschauer beim Duell von Deutschland gegen England im Wembley-Stadion ausgesprochen. "Die Halbfinals und das Endspiel sollten nicht im Londoner Wembley-Stadion stattfinden, sondern verlegt werden an einen anderen Ort", sagte der 58-Jährige dem "Tagesspiegel" (Montag).

Beim Klassiker im Achtelfinale zwischen der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes und England dürfen am Dienstag (18.00 Uhr/ARD und MagentaTV) 45 000 Zuschauer im Stadion sein. Dabei werden nur 1500 bis 2000 deutsche Fans erwartet. Die Tickets werden nur an Besucher vergeben, die in Großbritannien oder Irland leben.

Lauterbach habe Druck der Politik auf die Veranstalter gefordert, dass die Gesamtzahl der Zuschauer reduziert werde, berichtete die Zeitung weiter. "Was man relativ sicher anbieten kann, ist, wenn jeder fünfte Platz besetzt ist. Also in Wembley wären das bei einem Fassungsvermögen von 90 000 Plätzen insgesamt 18 000 Sitzplätze", sagte Lauterbach.

Immunologe Carsten Watzl sprach sich ebenfalls gegen EM-Spiele vor vielen Zuschauer aus. "Das ist ein Bild, das sehr irritierend ist, ehrlich gesagt", sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". "Wir müssen es in Deutschland schaffen, dass wir die Ausbreitung der Delta-Variante niedrig halten. Das kann uns nur gelingen, wenn wir nicht sehr viele zusätzliche Reiserückkehrer ins Land holen. Da sind sicherlich volle Fußball-Stadien das falsche Signal."

Für die beiden Halbfinals und das Endspiel hat die Europäische Fußball-Union UEFA die Kapazität auf 60 000 Fans festgesetzt. "Es gibt ein reales Risiko, dass im und um das Wembley-Stadion ein Pandemieturbo gezündet wird", sagte der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer./lü/DP/mis