LIPPSTADT (dpa-AFX) - Der Licht und Elektronikspezialist Hella <DE000A13SX22> kann sich der Schwäche der Autoindustrie nicht länger entziehen. Nachdem sich der MDax <DE0008467416>-Konzern aus Lippstadt bislang überwiegend von den Unsicherheiten im Marktumfeld freimachen konnte, gibt sich das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen nun betont vorsichtig. Mit Blick auf das neue Geschäftsjahr 2019/2020 (seit Juni) erwartet Hella einen währungs- und portfoliobereinigten Umsatz von rund 6,5 bis 7,0 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte er sich auf 6,8 Milliarden Euro belaufen. Damit dürften die Erlöse mehr oder weniger stagnieren oder sogar zurückgehen.

Hella verwies auf eine "weiter rückläufige Branchenentwicklung" und geht nun davon aus, dass die um Restrukturierungsmaßnahmen und Portfolioeffekte bereinigte Ebit-Marge zwischen rund 6,5 und 7,5 Prozent liegen werde. Da sie im abgelaufenen Geschäftsjahr noch 8,4 Prozent betragen hatte, dürften also die Gewinne geringer ausfallen.

An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Die Hella-Anteilsscheine verloren am Donnerstag knapp fünf Prozent und waren damit im Index der mittelgroßen Unternehmen der zweitschlechteste Titel. Seit Jahresbeginn hat die Hella-Aktie zwar 26 Prozent zugelegt, in den zurückliegenden 12 Monaten steht jedoch ein Minus von knapp elf Prozent zu Buche.

Dass Hella vom begonnenen Geschäftsjahr weniger erwarten würde als vom Vorjahr, hatte Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan bereits erwartet - nicht jedoch in dieser Größenordnung. Der globale Abschwung in der Autobranche habe nun auch den Zulieferer erreicht, urteilte derweil Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Er schraubte seine Gewinnschätzungen für 2019/20 und 2020/21 zurück.

Expertin Gungun Verma verwies unterdessen darauf, dass der Licht- und Elektronikspezialist beim Umsatz und beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) für das abgelaufene Geschäftsjahr die Erwartungen knapp übertroffen habe. Allerdings falle der erwartete Wachstumsrückgang bei den Zielen für das neue Geschäftsjahr deutlicher als gedacht aus, befand die Analystin von der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Hella seinen währungs- und portfoliobereinigten Umsatz um 5 Prozent gesteigert, wie das Unternehmen am Mittwochabend auf Grundlage vorläufiger Daten mitgeteilt hatte. Der berichtete Umsatz sei durch den Verkauf des Großhandelsgeschäfts von 7,1 Milliarden Euro auf 7,0 Milliarden Euro zurückgegangen. Das um Restrukturierungsmaßnahmen und Portfolioeffekte bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) verbesserte sich nach vorläufigen Zahlen um 5,9 Prozent auf 585 Millionen Euro.

Hella-Chef Rolf Breidenbach betonte zwar, dass der Konzern die Herausforderungen durch die Unsicherheiten in der gesamten Automobilbranche im abgelaufenen Geschäftsjahr noch weitgehend kompensiert und seine Ziele erreicht habe. "Aber auch wir waren insbesondere in der zweiten Geschäftsjahreshälfte mit einer stark nachlassenden Wachstumsdynamik konfrontiert", verdeutlichte er.

In einer Telefonkonferenz mit Analysten ergänzte Breidenbach dann, dass Hella momentan keine Zeichen sehe, dass sich der Markt wieder positiv entwickeln werde. Es herrsche mit Blick auf das zweite Halbjahr 2019 eine negative Stimmung, von vielen Kunden bekomme Hella kein positives Feedback.

Autobauer und Zulieferer hatten in den vergangenen Monaten reihenweise ihre Geschäftsaussichten zusammenstreichen müssen, weil vor allem der wichtige chinesische Markt einen regelrechten Einbruch verzeichnete und die europäische Autoproduktion ebenfalls nicht mehr rund läuft.

Dennoch geht Breidenbach davon aus, dass Hella auch künftig stärker als der Markt wachsen werde. Der Unternehmenslenker führte dabei als Begründung die strategische Ausrichtung des Konzerns auf Zukunftsfelder wie Autonomes Fahren und Elektromobilität an. Das Unternehmen hat im Elektronikbereich schon viele Komponenten für Elektroantriebe im Angebot, darunter zum Beispiel Steuerungselemente für die Batterieelektronik oder Gleichspannungswandler.

Um seine Aktionäre trotz der trüber gewordenen Aussichten bei der Stange zu halten, kündigte Hella auch eine Sonderdividende an. Zusätzlich zur regulären Dividende von 1,05 Euro je Aktie schlägt der Autozulieferer seinen Investoren eine Sonderausschüttung von 2,30 Euro pro Aktie vor. Das Geld kommt im wesentlichen aus dem Verkauf des Großhandelsgeschäfts.

Seine vollständigen Zahlen zum Geschäftsjahr 2018/19 will Hella am 9. August vorlegen./eas/men