KÖNIGSWINTER (dpa-AFX) - In der Debatte um Schuldenerleichterungen für ärmere Länder hat Finanzminister Christian Lindner den Druck auf China erhöht. "Ich erinnere China an seine Verantwortung in dieser Sache", sagte der FDP-Politiker am Donnerstag vor einem Treffen der G7-Finanzminister auf dem Petersberg bei Bonn. "Wir brauchen mehr Transparenz, wenn es um globale Schuldenfragen geht." Es gehe um Nahrungsmittelsicherheit und auch um die Stabilität des internationalen Finanzsystems.

Bislang will sich China nicht an einem möglichen Teil-Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt beteiligen. Angesichts steigender Zinsen könne in den hoch verschuldeten Schwellen- und Entwicklungsländern aber sehr schnell eine kritische Situation entstehen, warnte Lindner.

Führende Ökonomen forderten die G7-Staaten auf, den Druck auf China zu erhöhen. "China betreibt eine verkappte Machtpolitik, die darauf zielt, einerseits Zugriff auf kritische Ressourcen zu sichern, andererseits Abhängigkeiten zu schaffen", sagte der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, der "Rheinischen Post". Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte: "Wir stehen weltweit vor einer Hungersnot und Schuldenkrise in den ärmsten Ländern."

Die Entwicklungsorganisation One forderte die G7-Staaten auf, Schuldenerleichterungen in die Wege zu leiten. Allein in Afrika drohe 23 Ländern der Staatsbankrott. "Wenn die G7 im Angesicht von Corona-Pandemie, Wirtschafts- und Schuldenkrise sowie Hungersnot in Afrika nicht liefern, dann muss die Frage erlaubt sein, warum sie sich überhaupt treffen", erklärte der Direktor von One Deutschland, Stephan Exo-Kreischer./tam/DP/eas