LONDON (dpa-AFX) - Die London Stock Exchange (LSE) <GB00B0SWJX34> hat die Übernahmeofferte des Betreibers der Börse in Hongkong (HKEX) formal zurückgewiesen. Der Vorstand habe grundlegende Bedenken in Bezug auf Schlüsselaspekte des Angebots und dieses daher einstimmig abgelehnt, teilte das britische Unternehmen am Freitag in einer Pflichtmitteilung mit. Zu den Schwachstellen des Angebots zählten strategische Aspekte und auch die Bewertung der Londoner Börse. Man sehe folglich keine Vorteile in einem weiteren Engagement, hieß es weiter.

Laut eines Medienberichts will HKEX dennoch an dem Übernahmeplan festhalten. Mit der Angelegenheit vertraute Personen sprechen davon, dass auch eine feindliche Übernahme nicht ausgeschlossen sei. Dennoch sei das vorrangige Ziel der HKEX, eine andere Lösung zu finden.

HKEX hatte der Londoner Börse am Mittwoch ein Angebot vorgelegt, das das Unternehmen mit insgesamt rund 29,6 Milliarden britischen Pfund (etwa 33 Mrd Euro) bewertet. Die Offerte bestand aus einem Bar- und einem Aktienanteil. Nach Angaben des Betreibers aus Hongkong hätte die Fusion einen weltweit führenden Börsenbetreiber hervorgebracht.

Der Kurs der LSE-Aktie stieg am Freitag nach der Absage an Hongkong um rund 2 Prozent. Anleger hatten am Mittwoch kurz nach Bekanntwerden der Offerte von HKEX zunächst euphorisch reagiert mit einem Kursplus von 16 Prozent. Anschließend gab das Papier jedoch wieder deutlich nach. Analysten versetzten der Euphorie einen Dämpfer. Die britische Regierung erklärte zudem, die Börse sei ein kritischer Teil des britischen Finanzsystems und ein solches Vorhaben müsse genau untersucht werden.

Ferner äußerten Investoren Zweifel, dass der Deal mit Hongkong attraktiver sei als den, den die LSE derzeit plant. Die Londoner Börse will den Datenbetreiber Refinitiv übernehmen. Am Freitag hieß es dazu, man mache gute Fortschritte. Die Interessenten aus Hongkong haben ihr Angebot am Mittwoch mit der Bedingung verknüpft, dass die LSE die Pläne mit Refinitiv aufgebe.

Die Deutsche Börse hatte einst ebenfalls vorgehabt, die LSE zu übernehmen, war 2017 aber mit diesem Plan gescheitert./knd/bek/stk