PARIS (dpa-AFX) - Eine starke Nachfrage nach Make-up und Hautpflege-Produkten hat den französischen Kosmetikkonzern L'Oreal im Sommer angetrieben. Trotz der stark gestiegenen Inflation in vielen Ländern waren Produkte wie Wimperntusche von Maybelline New York und Shampoo von Garnier weiterhin gefragt. Konzernweit wuchs der Umsatz im dritten Quartal stärker als von Analysten im Schnitt erwartet. Dabei legte das Massengeschäft noch deutlicher zu als die Luxussparte, wie L'Oreal am Donnerstagabend in Paris mitteilte. Dies könnte allerdings darauf hindeuten, dass Menschen vermehrt von teureren zu günstigeren Produkten wechseln.

An der Börse wurden die Nachrichten am Freitagmorgen mit einem Kursrutsch um mehr als fünf Prozent quittiert. Zuletzt lag die L'Oreal-Aktie in Paris mit 4,87 Prozent im Minus bei 312,35 Euro und war damit zweitschwächster Titel im Eurozonen-Index EuroStoxx 50 . Seit dem Jahreswechsel hat das Papier inzwischen rund ein Viertel an Wert eingebüßt.

Branchenexperten bewerteten die jüngsten Quartalszahlen unterschiedlich. Eine schwächere Entwicklung in Asien habe die Erlösentwicklung überschattet, schrieb Analyst Olivier Nicolai von der US-Investmentbank Goldman Sachs. Er hält dies jedoch für einen vorübergehenden Effekt und senkte sein Kursziel für die Aktie von 460 auf 440 Euro. Seine Kollegin Molly Wylenzek vom Analysehaus Jefferies war mit ihrem Kursziel von 300 Euro ohnehin schon pessimistischer und sah sich nun in ihrer Einschätzung bestätigt.

Im dritten Quartal sprang L'Oreals Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 20 Prozent auf knapp 9,6 Milliarden Euro nach oben. Das lag aber zu einem guten Teil an der derzeitigen Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung. Währungseffekte und Veränderungen im Geschäftszuschnitt herausgerechnet, belief sich das Wachstum auf vergleichbarer Basis auf 9,1 Prozent, übertraf jedoch die durchschnittlichen Erwartungen von Branchenexperten. Im Erlös war diesmal allerdings eine Versicherungsleistung von knapp 100 Millionen Euro für eine Betriebsunterbrechung in einem Werk in Vichy enthalten.

Unterdessen entwickelte sich die Nachfrage nach L'Oreal-Produkten in den einzelnen Weltregionen im Sommer recht unterschiedlich: Während der Umsatz in Europa auf vergleichbarer Basis um knapp elf Prozent und in Nordamerika um gut neun Prozent wuchs, stagnierte das Geschäft im nördlichen Asien mit China wegen der dortigen Corona-Lockdowns praktisch auf dem Vorjahresniveau. Im Südasien, dem Nahen Osten und Afrika legte die Nachfrage hingegen um 30 Prozent zu. In Lateinamerika belief sich der Zuwachs auf gut 16 Prozent.

"Der Appetit der Konsumenten auf Schönheitsprodukte ist intakt", sagte L'Oreal-Chef Nicolas Hieronimus laut Mitteilung. Der Konzern hob die robuste Entwicklung im Massengeschäft hervor und verwies auf "spektakuläre" Zuwächse in Indien und Mexiko. Insgesamt stieg der Erlös im Massengeschäft auf vergleichbarer Basis um gut 19 Prozent auf gut 3,5 Milliarden Euro. In der Luxussparte mit Marken wie Lancome Paris, Kiehl’s und Ralph Lauren ging es immerhin um knapp 16 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro nach oben./stw/nas/mis

Quelle: dpa-AFX