HAMBURG/PAPENBURG (dpa-AFX) - Die Leitung der kriselnden Meyer-Werft sieht Verhandlungen mit IG Metall und Betriebsrat über Einschnitte für die Belegschaft als gescheitert an. Die Arbeitnehmerseite sehe die "wirtschaftliche Notlage der Werft" nicht, hieß es in einem Schreiben des größten deutschen Schiffbaubetriebs an die Mitarbeiter vom Mittwoch. "Für die Geschäftsleitung sind die Verhandlungen damit gescheitert." Die Werft an der Ems ist bekannt für ihre serienweise gefertigten riesigen Kreuzfahrtschiffe, nach denen aber wegen Corona in dem kommenden Jahren kaum Nachfrage besteht.

Der Bezirk Küste der IG Metall in Hamburg teilte mit, bei einem Vorgespräch am Dienstag habe es zwar keine Annäherung gegeben. Die Gewerkschaft sei aber weiter zu Tarifverhandlungen bereit, sagte Bezirksleiter Daniel Friedrich. Eine pauschale Zustimmung zum Personalabbau vor den Verhandlungen, wie dies die Meyer-Geschäftsführung fordere, werde es aber nicht geben. "Kündigungen sind immer das letzte Mittel", sagte Friedrich.

In der coronabedingten Krise der Kreuzfahrtbranche muss das Unternehmen bis 2025 etwa 1,2 Milliarden Euro einsparen. Über 600 Jobs an der Ems sollen wegfallen bei einer Stammbelegschaft von 3600 Mitarbeitern plus 900 Mitarbeitern bei Tochterfirmen.

Über Abweichungen vom Tarifvertrag in einer Notlage verhandeln nicht nur Firmenleitung und Betriebsrat. Auch die IG Metall und der Arbeitgeberverband Nordmetall sitzen mit am Tisch. Die Gewerkschaft fordert einen Erhalt der Stammarbeitsplätze und Lehrstellen sowie eine Reduzierung von Werkverträgen mit Fremdfirmen. "Fakt ist, dass ein Arbeitsplatzabbau bei 40 Prozent weniger Arbeit zwingend notwendig ist", teilte die Firmenleitung dagegen mit. Höhere Kosten gefährdeten den Werftstandort Papenburg./fko/DP/men