PLANEGG (dpa-AFX) - Sprudelnde Meilensteinzahlungen und Tantiemen lassen den Umsatz bei Morphosys <DE0006632003> zum Jahresstart kräftig steigen. Doch steigende Kosten etwa für Forschung und Entwicklung sowie für Verwaltung und Vertrieb drücken das Biotechnologieunternehmen im ersten Quartal tiefer in die roten Zahlen. Unterdessen schreiten die Vorbereitungen für das erste eigene Medikament voran - das Unternehmen macht sich nun Hoffnungen auf eine schnellere Vermarktung des Kandidaten MOR208 in Europa. An der Börse kam die Bilanzvorlage gut an. Die TecDax-Aktie legte im frühen Handel um 2,2 Prozent zu. Das erste Quartal des Biotech-Unternehmens sei weitgehend wie erwartet verlaufen und die Jahresziele seien bekräftigt worden, schrieb Analyst James Gordon von der US-Bank JPMorgan in einer am Mittwoch vorliegenden Schnelleinschätzung. Zudem seien Kommentare zum Wirkstoffkandidaten MOR208 gegen Blutkrebs noch deutlich optimistischer ausgefallen, auch wenn es keine neuen Fakten gegeben habe. Doch auch bei anderen Wirkstoffkandidaten, die gemeinsam mit Partnern entwickelt werden, können die Bayern "erfreuliche Fortschritte" vermelden, wie Unternehmenschef Simon Moroney laut der Mitteilung zu den Quartalszahlen am Dienstagabend nach US-Börsenschluss erklärte. Für das Gesamtjahr bestätigte Moroney die bisherigen Finanzziele. Sie sehen zwar einen Umsatzrückgang vor - und auch ein größeres Minus. Nicht berücksichtigt sind allerdings womöglich hohe Meilensteinzahlungen aus einer Kooperation mit dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline <GB0009252882> aus dem Start einer Studie, der im Laufe des Jahres erwartet wird. Im ersten Quartal weitete Morphosys den Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) auf 23,6 Millionen Euro aus, nach minus 19 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Unter dem Strich erhöhte sich das Minus um 16 Prozent auf 22,7 Millionen Euro. Die Erlöse kletterten derweil im ersten Quartal auf 13,5 Millionen Euro, nachdem sie ein Jahr zuvor noch deutlich auf 2,8 Millionen Euro zurückgegangen waren. Damals war eine Kooperation mit Novartis <CH0012005267> ausgelaufen. Für den Umsatzschub in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sorgten nun im Wesentlichen erfolgsabhängige Zahlungen der Partner I-Mab und Janssen. So flossen Meilensteine, als das chinesische Unternehmen I-Mab ein klinische Studie der Phase II mit dem Wirkstoffkandidaten MOR202 startete und der dänische Partner Janssen die klinische Entwicklung seines Mittels Tremfya auf eine andere Krankheit erweiterte. Hinzu kam eine Umsatzbeteiligung von 6,6 Millionen aus den Verkäufen von Tremfya, das bereits zur Behandlung der Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen ist. Das Medikament basiert auf einem Antikörper von Morphosys. "Mit der soliden Finanzlage ist Morphosys gut gerüstet, unsere Pläne für unsere eigene Produktentwicklung durchzusetzen", sagte Finanzvorstand Jens Holstein. In den USA steht Morphosys in den Startlöchern für den Marktstart des ersten eigenen Medikaments MOR208, das derzeit an Blutkrebspatienten getestet wird. Eine Vertriebsgesellschaft wird dort aufgebaut. Der Start verlief allerdings nicht ganz reibungslos - die US-Gesellschaft hat bereits einen Wechsel ihrer Leitung hinter sich. Für den Antikörper hat sich Morphosys inzwischen den Namen Tafasitamab gesichert, wie Moroney erklärte. Zu den Gesprächen mit der US-Zulassungsbehörde konnte der Unternehmenschef, der spätestens am 30. Juni 2020 seinen Job bei Morphosys aufgeben will, zwar noch nichts Konkretes berichten. Die laufende Einreichung bei der FDA verlaufe aber weiterhin nach Plan, "was eine Zulassung Mitte 2020 unterstützen würde", so Moroney. In Europa bahnt sich unterdessen eine womöglich schnellere Zulassung an als gedacht. Hier war bislang offen, welche Nachweise zur Wirksamkeit des Mittels Morphosys liefern muss. Die Gespräche seien aber so ermutigend verlaufen, dass nun über die Zulassung auf Basis nur einer Studie (L-Mind) weiter diskutiert werde, in der Morphosys zuletzt erfolgversprechende Ergebnisse gesammelt hatte. "Ein erfolgreicher Abschluss könnte dazu führen. dass MOR208 (Tafasitamab) in Europa früher auf den Markt kommen könnte, als angenommen."/tav/mne/fba