DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Die Komplettübernahme der Media-Saturn-Holding durch den Elektronikhändler Ceconomy verzögert sich. So sieht sich das Unternehmen mit einigen Klagen von Aktionären konfrontiert, die gegen die geplante Kapitalerhöhung opponieren. Nach einer Anhörung des Oberlandesgerichts Düsseldorf musste Ceconomy nun am Donnerstagabend einräumen, dass der Zeitplan wohl nicht zu halten ist. An den Plänen hält der Konzern jedoch fest.

Die im SDax notierte Aktie geriet daraufhin am Freitag unter Druck und verlor nach der Eröffnung fast 8 Prozent - ein Tief seit August vergangenen Jahres, bevor die Verluste eingedämmt werden konnten. Zuletzt stieg die Aktie aber sogar wieder ins Plus. Die beabsichtigte Vereinfachung der Konzernstruktur samt Kosteneinsparungen sind einem Börsianer zufolge nun wieder unsicher. Die verschobene Kapitalerhöhung des Elektronikhändlers sei nicht ungewöhnlich, so Kepler-Chevreux-Analystin Fabienne Caron. Gerade in Deutschland komme es häufig zu Blockaden derartiger Maßnahmen.

Das Unternehmen sehe "nicht mehr die ausreichende Sicherheit", dass die Transaktion noch im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende September) abgeschlossen werden könnte, teilte Ceconomy mit und verwies auf die "vorläufige Rechtsauffassung" des Oberlandesgerichts. Dennoch sollen die Pläne weiter umgesetzt werden. Streitpunkte sind dabei die geplanten Kapitalmaßnahmen, mit denen der Kauf der 21,62 Prozent finanziert werden sollen, die die Familie Kellerhals über ihre Familienholding Convergenta hält. Im Gegenzug soll Convergenta mit bis zu 29,99 Prozent am Elektronikhändler beteiligt werden.

Ceconomy hatte die Einigung mit der Familie Kellerhals im vergangenen Dezember verkündet. Die Transaktion sollte über eine Mischung aus neu zu begebenden Stammaktien und Wandelanleihen sowie einem begrenzten Betrag an Barmitteln finanziert werden. So sollten früheren Angaben zufolge 125,8 Millionen neue Aktien ausgegeben werden, die im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung des Grundkapitals um rund 321,6 Millionen Euro unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre geschaffen werden sollten.

Zudem wollte Ceconomy neue Wandelschuldverschreibungen im Gesamtnennbetrag von 151 Millionen Euro ausgeben. Diese haben eine Laufzeit von fünf Jahren und sind anfänglich wandelbar in bis zu rund 27,9 Millionen Stammaktien. Die dafür nötige Zustimmung holte sich Ceconomy Mitte Februar auf der Hauptversammlung bei den Aktionären ab. Die großen Ankeraktionäre Haniel, die Meridian-Stiftung der Metro-Mitgründer Schmidt-Ruthenbeck, die Beisheim Holding sowie der Telekommunikationskonzern Freenet stehen hinter der Transaktion.

Mit der Übernahme und der daraus erfolgenden Neuorganisation der Gesellschafterstruktur will Ceconomy das komplizierte Geflecht des Konzerns vereinfachen. Media Markt-Saturn soll eine 100-prozentige Tochter von Ceconomy werden. Ceconomy erhofft sich dadurch eine geringere Komplexität und eine Verbesserung der Prozesse. Die beiden Elektronikketten Media Markt und Saturn sind die wichtigsten Geschäfte von Ceconomy.

Der Einigung war ein jahrelanger Zwist vorausgegangen. Das Verhältnis zwischen Ceconomy und dem inzwischen verstorbenen Media-Markt-Mitgründer Erich Kellerhals war immer wieder durch Streitigkeiten um die Vorherrschaft und die Richtung bei Media-Saturn geprägt. Diese reichen in die Zeit weit vor der Abspaltung von Ceconomy durch den Handelskonzern Metro im Jahr 2017 zurück und wurden teilweise vor Gericht ausgetragen./nas/men/eas