CONSTANTA (dpa-AFX) - Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat Rumänien den militärischen Beistand Deutschlands beim Schutz der Nato-Ostflanke zugesichert. "Wir sind vorbereitet, wir sind gut aufgestellt und wir sind entschlossen; entschlossen, unser Bündnis zu verteidigen", sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch auf dem rumänischen Militärflughafen Constanta, wo sie ihren Amtskollegen Vasile Dincu traf. An die Adresse des russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte sie: "Hier wird keinen Millimeter gewichen. Das ist ein Zeichen, das gesendet werden muss gegenüber diesem brutalen Diktator, der so viel Leid über die Menschen bringt."

Lambrecht besuchte den Militärflughafen Mihail Kogalniceanu am Schwarzen Meer, um sich über den laufenden Nato-Einsatz zu informieren. Die Bundeswehr hat dort sechs Eurofighter stationiert. Maschinen und Besatzung sind in ein italienisches Kontingent integriert. Diese Art der Zusammenarbeit ("Interoperabilität") macht es möglich, einen bestehenden Luftverteidigungsverband schnell zu vergrößern. Soldaten und Flugzeuge gehören zum Taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau.

Oberstleutnant S. (37) berichtete, er sei zuletzt am Montag mit seinem Eurofighter über Rumänien unterwegs gewesen. 100 Kilometer sind es bis an die Grenze zur Ukraine, 400 Kilometer wären es bis zur Krim. "Wir sind 24/7 in der Luft", sagte er. Mit Flugbetrieb rund um die Uhr hat die Nato ihre Einsatzbereitschaft deutlich erhöht, denn Flugzeuge müssen so nicht erst zu einem Alarmstart geschickt werden, sondern sind sofort verfügbar.

"Combat Air Patrol" nennt sich dieses Verfahren, etwa "bewaffnete Luftraumpatrouillen". Es fliegen gemischte italienisch-deutsche Teams. Insgesamt sind es 14 Eurofighter, etwa 75 deutsche Soldaten. Auch die US-Streitkräfte haben Soldaten und Gerät nach Rumänien verlegt. Konfrontationen mit der russischen Luftwaffe gab es zuletzt über dem Schwarzen Meer, aber ohne dass deutsche Maschinen beteiligt waren.

Wegen der Spannungen im Ukraine-Krieg legt die Nato an der Ostflanke eine Art zusätzlichen Sperrriegel zu Land, zu Wasser und in der Luft. Dazu gehören Schiffe der deutschen Marine in der Ostsee, der inzwischen verstärkte und von Deutschland geführte Nato-Gefechtsverband in Litauen, aber auch laufende Prüfungen für ein Engagement in der Slowakei, wohin Deutschland Soldaten und das Luftabwehrsystem "Patriot" schicken will. Auch über Polen fliegen schon deutsche Eurofighter zum Schutz.

Frankreich wird - wohl mit 500 Soldaten - Führungsnation eines Gefechtsverbands in Rumänien. Zwischenzeitlich wurde diskutiert, ob Deutschland sich beteiligen könnte, was aber nicht mehr auf der Tagesordnung steht. Deutschland hat aber eine besondere Rolle und stellt von diesem Jahr an bis 2024 für die Nato-Reaktionskräfte ("Nato Response Force") rund 13 600 der insgesamt 40 000 Soldaten.

"Wir haben unseren Einsatz nicht nur erweitert, bisher mit drei Eurofightern, nunmehr mit sechs", sagte Lambrecht in Constanta. "Und wir werden alle Möglichkeiten prüfen, ob es darüber hinaus auch Möglichkeiten gibt, zusammen zu stehen." Das alles seien Entwicklungen, die "diesem brutalen Angriffskrieg geschuldet sind".

Lambrecht sagte: "Und wir alle haben bis zuletzt gehofft, dass wir diesen Krieg, diese Gewalt verhindern können durch Gespräche, durch Überzeugungen und durch Vernunft. Wir wurden eines Besseren belehrt. Es wurde gelogen, es wurde betrogen, es wurden Zusagen gemacht, die hinterher nicht eingehalten wurden." Rumäniens Verteidigungsminister Vasile Dincu dankte Deutschland für die Hilfe und bekräftigte Einheit und Entschlossenheit in der Nato. Er sagte: "Übrigens meine ich, dass Putin versucht, die alte UdSSR wieder aufzubauen. Aber das wird nicht gelingen."/cn/DP/men