BONN (dpa-AFX) - Der wachsende Online-Handel beschert der Deutschen Post weiter Rückenwind, die Dynamik lässt allerdings etwas nach. "Die Raten waren schon deutlich höher", sagte Konzernchef Frank Appel bei der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag. So ist dem Bonner Logistikriesen zwar erneut ein Rekordquartal gelungen, doch der Aktie hauchte die Quartalsbilanz kein neues Leben ein: Ihr Kurs gab nach den Neuigkeiten nach.

Im Online-Handel gebe es auf einigen Märkten inzwischen eine Normalisierung, berichtete Appel. Dort pendelten sich Zahlen auf dem Vorjahresniveau ein. Auf dieser Basis werde es aber auch in Zukunft weiteres Wachstum geben, schätzt er.

Die Nachfrage nach Logistikdiensten bleibt weiterhin hoch. Dazu trägt der Post zufolge nicht nur der anhaltende Boom im Online-Handel bei. Dank der anziehenden Weltwirtschaft belebe sich auch das internationale Frachtgeschäft weiter. Die Sendungsmengen hätten ein "nachhaltig höheres Niveau", sagte Finanzchefin Melanie Kreis. Zugleich profitiere der Konzern von der Nachfrage seiner Geschäftskunden.

Dabei transportieren die Flugzeuge des Dax-Konzerns derzeit deutlich schwerere Güter als üblich. "Wir fliegen momentan auch in der Luftfracht Dinge, die normalerweise auf dem Schiff transportiert würden, wegen der Engpässe bei der Seefracht", sagte Kreis. Die Störungen im Container-Schiffsverkehr sind eine der Ursachen für Materialknappheit in Europa. Unternehmen weichen deshalb für wichtige Waren auch auf den teureren Transport per Flugzeug aus.

Wie bereits seit Anfang Juli bekannt, konnte die Deutsche Post ihren operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) in den Monaten April bis Juni mit knapp 2,1 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppeln. Im ersten Halbjahr belief sich das Ergebnis damit auf knapp 4 Milliarden nach rund 1,5 Milliarden ein Jahr zuvor. Das operative Quartalsergebnis sei das beste in einem Jahresviertel überhaupt gewesen, sagte Kreis in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Für einige Experten erscheint daher die erst im Juli angehobene Jahresprognose für das operative Ergebnis bereits etwas konservativ. Das gelte um so mehr, als das vierte Quartal - wegen des Weihnachtsgeschäfts - gewöhnlich am stärksten sei, schrieb Analyst Samuel Bland von der US-Bank JPMorgan. Bland bezeichnete das Zahlenwerk des Konzerns als "solide, aber unspektakulär". Die Aktie der Deutschen Post lag zur Mittagszeit mit 0,7 Prozent im Minus bei 57,39 Euro.

Der Umsatz legte im zweiten Quartal um mehr als ein Fünftel auf 19,5 Milliarden Euro zu, wozu alle Sparten mit kräftigem Wachstum beitrugen. Der auf die Aktionäre entfallende Konzerngewinn lag bei rund 1,3 Milliarden Euro nach 525 Millionen im Vorjahreszeitraum. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen von Analysten.

Bereits bei der Vorlage erster Eckdaten zum zweiten Quartal hatte die Post im Juli auch ihre Gewinnprognose für 2021 angehoben. Für das laufende Jahr erwartet das Management seither einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von mindestens 7,0 Milliarden Euro, 300 Millionen mehr als zuvor angepeilt. Bei den Jahreszielen ist ein erneuter Corona-Bonus für die Mitarbeiter bereits eingerechnet.

Anders als in den Vorjahren will der Konzern seine Kapazität im dritten Quartal nicht herunterfahren - obwohl der Sommer für die Post saisonbedingt meist etwas schwächer verläuft als andere Quartale. Eine Kürzung ergebe keinen Sinn, wenn klar sei, dass die Kapazität wenig später wieder gebraucht werde, erläuterte Finanzchefin Kreis. Denn schon jetzt liege die Deutsche Post in diesem Sommer mit ihren Sendungsmengen auf dem Niveau des vom Weihnachtsgeschäft getriebenen Spitzenmonats Dezember im Jahr 2019./knd/tav/stw