BERLIN (dpa-AFX) - Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 rechnet nach dem Einbruch im vergangenen Corona-Jahr für 2021 mit mehr Geschäft. So will Vorstandschef Christian Bertermann auch deutlich über das hinaus, was der bisher auf den Großhandel spezialisierte Konzern vor der Krise umsetzte. Besser als zuletzt in Aussicht gestellt läuft das zum Wachstumsfeld erkorene Geschäft mit dem Gebrauchtwagenverkauf an Privatkunden. Verluste wird es wegen des hohen Marketingbudgets aber wie angekündigt auch weiter geben.

Die Auto1-Aktie lag am Mittwoch nach einem starken Vortag um ein Prozent höher bei 50,78 Euro. Das Papier war Anfang Februar zu einem Ausgabepreis von 38 Euro an die Börse gebracht worden und aus dem Stand auf das Niveau um die 50 Euro gestiegen - teils sogar noch spürbar höher. Derzeit ist das erst 2012 gegründete Unternehmen an der Börse rund 10,5 Milliarden Euro wert. Auch mit einem Streubesitzanteil von 44 Prozent ist Auto1 damit ein Kandidat für den Mittelwerteindex MDax .

Im Corona-Jahr 2020 schmolz der Umsatz um fast ein Fünftel auf 2,8 Milliarden Euro. Die Zahl der verkauften Autos ging insbesondere wegen eines schwachen zweiten Quartals im Gesamtjahr um ein Viertel auf gut 457 000 Wagen zurück.

2021 soll der Erlös nun auf 3,8 bis 4,2 Milliarden Euro anziehen. Bereits am Vortag hatten die Berliner angekündigt, dieses Jahr mit einem stärkeren Wachstum im Gebrauchtwagenverkauf direkt an Endkunden zu rechnen als bisher gedacht. Damit wollen die Berliner dieses Jahr 32 000 bis 38 000 Autos verkaufen statt wie bisher in Aussicht gestellt nur über 29 000.

Auto1 steht hier noch fast am Anfang, zum Vergleich: Im Großhandel mit den Händlern erwartet das Unternehmen zwischen 560 000 und 600 000 Fahrzeuge zu verkaufen. Hier sieht sich Auto1 als Marktführer in Europa.

Das Management um Bertermann investiert aber viel Geld in Aufbau und Marketing seines Endkundenportals Autohero und will in den kommenden Jahren auch im Direktverkauf ein großer Player werden. Langfristig rechnet das Unternehmen mit 2 bis 2,5 Millionen verkauften Autos pro Jahr - davon rund 30 Prozent über Autohero.

Dahinter steckt, dass sich Auto1 im Direktverkauf an die Kunden einen Bruttogewinn von über 1000 Euro pro Fahrzeug ausrechnet, im Großhandel aber derzeit nur rund 650 Euro einkalkuliert - mit sinkender Tendenz. Die Gebrauchtwagen ihrerseits kommen entweder von Händlern oder über die Online-Ankaufplattform wirkaufendeinauto, auf der Privatleute ihr Auto verkaufen können und die es auch in vielen anderen europäischen Ländern gibt.

Wegen der hohen Investitionen ins Privatkundensegment wird im laufenden Geschäft denn auch weiter mit einem Verlust gerechnet. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll die um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge 2021 zwischen minus 2,5 und minus 2 Prozent liegen und damit schwächer ausfallen als im Vorjahr mit minus 0,5 Prozent. Auto1 hatte beim Börsengang angekündigt, bis 2023 rund 110 Millionen Euro pro Jahr in Autohero investieren zu wollen.

Unter dem Strich vergrößerte sich im vergangenen Jahr der Verlust von 121,3 auf 143,6 Millionen Euro. Eckdaten zu Umsatz und operativem Geschäft hatte Auto1 bereits rund um den Börsengang mitgeteilt.

Ebenfalls bereits am Vortag teilte das Unternehmen mit, neue Aktien im Umfang von 2,2 Prozent des Grundkapitals auszugeben, um ein Beteiligungsprogramm für Vorstandschef Bertermann und Aufsichtsratsmiglied Hakan Koc teilweise abwickeln zu können. Mit zusammen rund 26 Prozent halten die beiden Unternehmensgründer Bertermann und Koç nach wie vor den größten Anteil der Aktien. Knapp 17 Prozent liegen bei dem japanischen Technologieinvestor Softbank ./men/ssc/mis