CARACAS (dpa-AFX) - Bei der Parlamentswahl in Venezuela hat Präsident Nicolás Maduro den Sieg für die Sozialisten beansprucht. "Venezuela hat eine neue Nationalversammlung für die Periode 2021 bis 2026. Ein großer Sieg - ohne Zweifel - der Demokratie", sagte er in einem auf seinem Twitter-Account veröffentlichten Video nach Bekanntgabe vorläufiger Wahlergebnisse durch das Wahlamt in der Nacht zum Montag (Ortszeit).

Der Behörde zufolge kam nach Auszählung von rund 82 Prozent der Stimmen die Allianz von Maduros Regierungspartei PSUV bei der Wahl am Sonntag auf 67,6 Prozent. Das teilte das Amt bei Twitter mit. Den Oppositionsparteien fielen demnach insgesamt rund 31 Prozent der Stimmen zu. Das Volk habe gewählt, sagte Maduro. Es sei eine "große Entscheidung" und ein "guter Wahltag" gewesen.

"Die Diktatur ist offensichtlich", schrieb dagegen der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó bei Twitter und prangerte Wahlbetrug an. "Wir alle wissen, dass die Ergebnisse vorab feststanden", sagte Guaidó in einem von ihm bei Twitter veröffentlichten Video.

Ein Sieg der Sozialisten würde für die Opposition den Verlust der letzten von ihr kontrollierten staatlichen Institution in dem südamerikanischen Land bedeuten. Ohne Mehrheit in der Nationalversammlung dürfte auch die Legitimität Guaidós infrage gestellt werden.

Große Teile der Opposition hatten die Abstimmung boykottiert und dies mit erwartetem Betrug begründet. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatte bereits im Vorfeld erklärt, die Voraussetzungen für eine freie und faire Wahl seien nicht gegeben.

Nach Angaben der Opposition waren zahlreiche Venezolaner ihrem Boykottaufruf gefolgt. Die Wahlbeteiligung habe unter 20 Prozent gelegen, sagte der Vizepräsident der Nationalversammlung, Juan Pablo Guanipa. Den vorläufigen Angaben des Wahlamt zufolge lag die Wahlbeteiligung bei etwa 31 Prozent. Die Behörde hatte am Abend die Öffnungszeiten der Wahllokale um eine Stunde verlängert. Mehr als 20 Millionen Venezolaner waren aufgerufen, die 277 Mitglieder der Nationalversammlung zu wählen.

Maduro hatte die internationale Gemeinschaft vorab aufgefordert, das Wahlergebnis zu akzeptieren. "Wir respektieren das Selbstbestimmungsrecht der Völker", schrieb er auf Twitter. "Wir fordern Respekt vor der Souveränität des venezolanischen Volkes."

Kritik hatte es indes auch vom Außenminister von Guaidós Gegenregierung, Julio Borges, gegeben. "Die Wahl ist ein Betrug der von Nicolás Maduro angeführten Diktatur und wird die Krise im Land nur verschärfen", schrieb er in einem am Sonntag veröffentlichten offenen Brief an die internationale Gemeinschaft. "Was Venezuela braucht, sind freie Präsidenten- und Parlamentswahlen."

Venezuela steckt in einer tiefen Krise. Guaidó hatte sich Anfang 2019 selbst zum Interimspräsidenten erklärt und war von zahlreichen Ländern - darunter Deutschland und die USA - als legitimer Staatschef anerkannt worden. Allerdings gelang es ihm bislang nicht, sich gegen Maduro durchzusetzen. Der autoritär regierende Staatschef wird in dem Machtkampf vom mächtigen Militär gestützt. Ein Versuch einer Söldnertruppe zu einem bewaffneten Umsturz scheiterte. Die Vereinten Nationen werfen den Sicherheitskräften schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

Während es Guaidó zunächst noch gelungen war, die Opposition hinter sich zu vereinen, traten mit andauernder Erfolglosigkeit auch die Gräben zwischen moderaten Regierungsgegnern und Hardlinern wieder offen zu Tage. Mit dem Sieg seiner Sozialisten bei der Parlamentswahl hat Maduro nun wieder alle wichtigen Staatsgewalten unter seine Kontrolle gebracht.

Unterdessen steuert das einst reiche Land immer tiefer in eine humanitäre Krise hinein. Aus Mangel an Devisen und wegen zahlreicher Sanktionen kann es kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Selbst Benzin ist in dem Land mit den größten Ölreserven der Welt mittlerweile Mangelware. Im Sommer hatten die USA mehrere Tankerladungen Treibstoff aus dem Iran für Venezuela beschlagnahmt und Sanktionen gegen Reedereien verhängt, die nach Venezuela lieferten. Laut einer Studie der katholischen Universität Andrés Bello leben 96 Prozent der Haushalte in Armut. Millionen Venezolaner haben ihre Heimat verlassen./mcw/DP/mis