BERLIN (dpa-AFX) - Bei den entscheidenden Beratungen im Tarifkonflikt um die Beschäftigten in sozialen Berufen hat sich am Mittag noch keine Einigung abgezeichnet. Die Vertreter der kommunalen Arbeitgeber, der Gewerkschaft Verdi und des Beamtenbunds dbb berieten zum voraussichtlich letzten Mal über die bisherigen Zwischenergebnisse. Die dritte Verhandlungsrunde hatte am Montag in Potsdam begonnen und sollte spätestens am Mittwochnachmittag am zweiten Beratungsstandort Berlin enden. Ob bis dahin auch eine Einigung erzielt wird, war zunächst unklar.

Die Beratungen seien bislang "sehr schwierig" gelaufen, sagte ein Verdi-Sprecher am Vormittag der Deutschen Presse-Agentur. Ein Durchbruch habe sich bislang nicht abgezeichnet - trotz intensiver Beratungen, die am Dienstag bis in die Nacht hinein geführt worden seien.

Ziel der Gewerkschaften ist es, für die rund 330 000 kommunalen Kita-Erziehungskräfte und andere Beschäftigte in sozialen Berufen bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erreichen - insbesondere mit Blick auf die Eingruppierung und die tägliche Arbeitslast.

Aus Arbeitgeberkreisen war am Mittag zu hören, dass die Forderungen nach wie vor zu hoch seien. Verdi und der Beamtenbund dbb machten erneut deutlich, dass das Thema Arbeitsentlastung ein "Knackpunkt" sei. Es komme bei dieser Runde auf mehr an als nur auf eine höhere Vergütung an, hieß es. Die Gewerkschaften streben langfristig mehr Personal im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst an und fordern von den Arbeitgebern, personelle Engpässe über zusätzliche Erholungszeiten für Beschäftigte zu kompensieren.

Karin Welge, Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) und eine der Verhandlungsführerinnen, hatte am Montag zum Start betont, dass die Arbeitgeber auch bereit zu Kompromissen seien. Allerdings lehne sie pauschale Forderungen ab. "Eine allgemeine Aufwertung in dem Sinne, dass jede Entgeltgruppe mehr bekommt, können wir nicht leisten", hatte Welge gesagt. "Das würde dazu führen, dass wir nachher eventuell weniger Leute haben, weil die kommunalen Haushalte die finanziellen Auswirkungen nicht tragen können." Gerade mit Blick auf die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und höhere Energiepreise müssten kommunale Arbeitgeber "verlässliche Strukturen" bieten können, erklärte die VKA-Präsidentin.

Die Gewerkschaften hatten die Verhandlungen am Dienstagnachmittag aus logistischen Gründen von Potsdam nach Berlin verlegt. Zwei Gesprächsrunden im Februar und März waren ohne Ergebnis vertagt worden. In den darauffolgenden Wochen hatte es in weiten Teilen Deutschlands Warnstreiks gegeben. Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende, Christine Behle, hatte mit einer massiven Ausweitung von Arbeitsniederlegungen gedroht, sollte auch dieses Mal keine Einigung gelingen./faa/DP/stw