MANNHEIM (dpa-AFX) - Der Südzucker-Konzern schraubt vor allem dank guter Geschäfte seiner Tochter Cropenergies erneut seine Jahresziele nach oben. Nachdem die Unternehmen ihre Erwartungen bereits im Juni angehoben hatten, legten sie am Donnerstagnachmittag noch mal eine Schippe drauf. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende Februar 2023 soll der operative Gewinn noch deutlicher steigen als bisher gedacht. Hauptgrund ist die jüngste Preisentwicklung bei Ethanol und Rohstoffen im Geschäft von Cropenergies. Die Aktien beider Unternehmen legten nach den Nachrichten sprunghaft zu.

Die Südzucker-Aktie ging am Abend mit einem Aufschlag von 1,55 Prozent aus dem Handel. Der Kurs von Cropenergies legte sogar um 3,42 Prozent zu.

Südzucker erwartet für das laufende Geschäftsjahr jetzt einen operativen Gewinn zwischen 450 und 550 Millionen Euro. Das sind am oberen und unteren Ende der Spanne jeweils 50 Millionen mehr als bisher. Im Vorjahr hatte der operative Gewinn bei lediglich 332 Millionen gelegen. Der Umsatz soll von 7,6 Milliarden Euro im vorigen Geschäftsjahr auf jetzt 8,9 bis 9,3 Milliarden Euro steigen.

Cropenergies begründete die erhöhte Gewinnerwartung in seinem Geschäft mit den hohen Ethanolpreisen seit Beginn des Geschäftsjahres. Die Preise an den Rohstoffmärkten seien hingegen zuletzt wieder gesunken.

Das Unternehmen rechnet für das laufende Geschäftsjahr deshalb nun mit einem operativen Gewinn von 215 bis 265 Millionen Euro. Bisher war das Management von maximal 215 Millionen Euro ausgegangen. Beim Umsatz steigt die Prognose nur leicht: Hier rechnet Cropenergies jetzt mit 1,47 bis 1,57 Milliarden Euro. Bislang hatten hier 1,45 bis 1,55 Milliarden im Plan gestanden.

Bei seinen Erwartungen geht Cropenergies von einem "weiterhin normalisierten Mobilitätsverhalten" aus - und davon, dass ausreichend Rohstoffe für die Produktion von Ethanol sowie Lebens- und Futtermitteln zur Verfügung stehen. Das Ethanol aus der Produktion des Unternehmens wird dem Benzin für Autos anteilig beigemischt.

Der russische Krieg in der Ukraine habe die Schwankungen auf den Absatzmärkten noch einmal verstärkt, berichtete Südzucker. Gleiches gelte für die Preissteigerungen auf den Beschaffungsmärkten. Die sich daraus ergebenden wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen seien nur schwer abschätzbar - ebenso die Dauer dieser Ausnahmesituation. Daneben gebe es weiterhin Risiken im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Südzucker geht bei seiner Prognose davon aus, dass der Krieg in der Ukraine zeitlich und regional begrenzt bleibt und die Versorgung mit Energie und Rohstoffen gewährleistet ist. Zudem sollten sich die Absatz- und Beschaffungsmärkte innerhalb des laufenden Geschäftsjahres wieder teilweise normalisieren. Auch dürfe die Ausrufung der Alarmstufe des Gas-Notfallplans für Deutschland keine deutlich negativen Preiswirkungen haben. Entscheidend werde sein, dass das Unternehmen die höheren Rohstoff- und Energiepreise in neuen Verträgen an seine Kunden weiterreichen könne.

Seine vollständigen Zahlen zur zweiten Geschäftsquartal bis Ende August will Südzucker am 13. Oktober veröffentlichen. Cropenergies ist bereits am 12. Oktober an der Reihe./stw/he