WALLDORF (dpa-AFX) - Europas größter Softwarehersteller SAP <DE0007164600> hat im vergangenen Jahr wie erwartet die Profitabilität deutlich steigern können. Der vor rund einem Jahr angekündigte Stellenabbau bescherte den Walldorfern jedoch einen spürbaren Gewinneinbruch unter dem Strich, wie das Dax <DE0008469008>-Schwergewicht am Dienstag mitteilte. Umsatz und Betriebsergebnis kletterten dagegen deutlich, weil die Geschäfte mit der Software zur Miete aus dem Internet (Cloud) weiter kräftig wuchsen und Zukäufe zum Tragen kamen.

Die seit Mitte Oktober amtierenden neuen Co-Chefs Jennifer Morgan und Christian Klein hatten den Anlegern versprochen, den zuletzt eingeschlagenen Effizienzkurs ihres Vorgängers Bill McDermott fortzusetzen. Nach vielen Jahren mit sinkender oder stagnierender operativer Marge soll diese nun kontinuierlich steigen und 2023 um fünf Prozentpunkte höher liegen als 2018. Dafür baut der Konzern sein Cloudangebot um, setzt auch bei den zugekauften Töchtern zunehmend auf die eigene Datenbanktechnik Hana und verschlankt die Infrastruktur der betriebenen Rechenzentren.

Das schlug sich bereits im vergangenen Jahr deutlich in einer höheren Profitabilität in der Cloudsparte nieder. Jahrelang hatten Investitionen in Rechenzentren, die zunächst gegenüber dem herkömmlichen Lizenzverkauf niedrigen Erlöse und das starke Wachstum in dem Geschäft die Marge des Konzerns belastet. McDermott hatte die Weichen in früheren Jahren vor allem auf Wachstum gestellt, um in dem Feld gegen Konkurrenten bestehen zu können.

Das Umsteuern auf Gewinne ließ das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis im vergangenen Jahr wie von Experten erwartet um 15 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro steigen. Das war ein stärkerer Anstieg als beim Umsatz mit 12 Prozent auf 27,6 Milliarden Euro, auch dank des milliardenschweren Zukaufs des US-Unternehmens Qualtrics.

Die Aktie gab kurz nach Handelsbeginn um 1,83 Prozent auf 120,22 Euro nach. Ein Händler meinte, die Entwicklung des Cloudgeschäfts werfe Fragen auf. Der Kurs hatte in den vergangenen Wochen auch wieder deutlich angezogen. Erst zwei Handelstage vor der Bekanntgabe der Zahlen war das Papier auf ein Rekordhoch von 127 Euro geklettert, bevor es am gesamten Markt zum Wochenauftakt deutlich nach unten ging. Seit der Berufung des neuen Führungsduos hat die SAP-Aktie um fast 17 Prozent zugelegt. SAP ist der mit Abstand wertvollste deutsche börsennotierte Konzern mit einem Marktwert von zuletzt über 150 Milliarden Euro.

SAP rechnet beim operativen Ergebnis Sonderkosten wie für den Personalumbau und für aktienbasierte Vergütungsprogramme heraus. Doch die schlugen stark zu Buche. Für den Personalumbau fielen Kosten von 1,1 Milliarden Euro an, für die aktienbasierte Vergütung von Mitarbeitern rund 1,8 Milliarden. Sonderkosten für die Integration von Zukäufen beliefen sich auf 689 Millionen Euro. Unter dem Strich schrumpfte das Nettoergebnis damit insgesamt um 17 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro.

Anfang vergangenen Jahres hatte das Management den ersten größeren Personalumbau seit Jahren angestoßen, bis zu 4400 Mitarbeiter sollten entweder auf eine neue Position wechseln oder das Unternehmen mittels Abfindungen verlassen. Bisher hätten 4000 Mitarbeiter ein solches Angebot angenommen, 3000 hätten den Konzern bereits verlassen, sagte Finanzchef Luka Mucic, davon 1400 in Deutschland. In diesem Jahr rechnet er nicht mit wesentlichen weiteren Umbauprogrammen. Bei der Mitarbeiterzahl hat SAP dennoch weiter zugelegt, Ende des Jahres lag sie erstmals bei über 100 000 - fast 4000 mehr als ein Jahr zuvor.

Optimistisch gab sich das Unternehmen für das gerade begonnene Jahr. Umsatz und Ergebnis sollen etwas stärker zulegen als zuletzt in Aussicht gestellt. Beim bereinigten Betriebsergebnis strebt das Management auf der Basis konstanter Wechselkurse einen Wert zwischen 8,9 und 9,3 Milliarden Euro an. Bisher lag das obere Ende der Zielspanne bei 9,1 Milliarden Euro, was auch Analysten schon auf dem Zettel hatten.

Der Anstieg der Profitabilität dürfte sich in diesem Jahr noch beschleunigen, sagte Mucic. Ohne den Gegenwind von Zukäufen wäre die operative Marge ihm zufolge nicht nur um wechselkursbereingt 0,6 Prozentpunkte gestiegen, sondern sogar um 1,1 Prozentpunkte. Bei der Profitabilität der Cloudgeschäfte sei der Konzern derzeit sogar weiter als geplant. Insbesondere im vierten Quartal - in dem Softwarekonzerne üblicherweise das Gros ihrer Geschäfte machen - warfen die Geschäfte deutlich mehr Gewinn ab als ein Jahr zuvor.

Der Gesamtumsatz soll 2020 zwischen 29,2 und 29,7 Milliarden Euro landen und damit über der bisher ausgegebenen Marke von bis zu 29,2 Milliarden Euro. Analysten hatten bereits mit einem Wert am oberen Ende der Spanne gerechnet.

Größter Treiber bleibt das Wachstum bei der Software zur Miete aus dem Internet (Cloud), in diesem Bereich engte SAP die Aussichten etwas ein. Die Kernsoftware S4 Hana laufe gut, sagte Co-Chef Klein. Auch die Dienstleistungen wüchsen derzeit stark, sagte Mucic./men/kro/mis