BERLIN (dpa-AFX) - SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat zum Tag der Arbeit eine bessere Bezahlung etwa von Pflegekräften und Verkäuferinnen verlangt. "Der 1. Mai ist und bleibt ein wichtiger Feiertag", sagte Scholz den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (Freitag). "Er erinnert uns an die Würde der Arbeit." Wenn man eine bessere Bezahlung für die Pflegekräfte wolle, dann habe das Konsequenzen für die Pflegeversicherung. "Und wenn die Verkäuferinnen anständig entlohnt werden, wird sich das auf die Preise auswirken. Das müssen uns der Respekt und die Würde schon wert sein", betonte der Bundesfinanzminister. Scholz forderte, den Mindestlohn auf "mindestens 12 Euro" je Stunde anzuheben.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack beklagte vor dem Tag der Arbeit, die Corona-Pandemie habe Frauen bei der Gleichstellung zurückgeworfen. "Viele Frauen bleiben zu Hause, reduzieren ihre Arbeitszeit, kündigen ihre Jobs, gehen in die stille Reserve am Arbeitsmarkt", sagte Hannack den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft. "Wenn sie jetzt aussteigen, ist der Wiedereinstieg viel schwieriger, als wenn sie die Arbeitszeit nur reduzieren", warnte Hannack. Die DGB-Vizechefin forderte Arbeitszeitmodelle, die es Frauen und Männern gleichermaßen ermöglichen, Familienarbeit zu übernehmen und erwerbstätig zu sein. Der Staat müsse Anreize setzen, etwa durch die wohnortnahe Kinderbetreuung.

Die designierte Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, rief dazu auf, die Situation von prekär Beschäftigten in den Blick zu nehmen. "Prekäre Bedingungen sind im Corona-Jahr deutlich zu Tage getreten", sagte Baerbock dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). Es habe sich gezeigt, dass die Schlechterstellung von Frauen strukturell verankert sei und die Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten oft eine Zumutung seien. Scheinselbständige verdienten wenig und seien kaum geschützt. In diesen Bereichen müsse sich grundlegend etwas ändern. Baerbock forderte einen Mindestlohn von zwölf Euro, ein Verbandsklagerecht für Gewerkschaften und Mindeststandards für die Verlagerung von Arbeit an Subunternehmen.

Die Co-Chefin der Linken, Janine Wissler, kritisierte Scholz. Grundsätzlich begrüße sie es, dass der Vizekanzler Anerkennung und Würde für die Pflegekräfte entdecke, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings entstehe der Eindruck, als habe er mit der Regierungspolitik der letzten Jahre nichts zu tun. "Herr Scholz, Sie sind Teil der Bundesregierung, Ihre Aufgabe ist es nicht zu klatschen und über Anerkennung zu sprechen, Ihre Aufgabe ist es zu machen", forderte Wissler./shy/DP/jha