MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Energietechnikkonzern Siemens Energy hat sich für die geplante vollständige Übernahme seiner Windkrafttochter Gamesa frisches Geld beschafft. Das Unternehmen platzierte eine nachrangige Pflichtwandelanleihe mit einem Gesamtnennbetrag von 960 Millionen Euro, wie Siemens Energy am späten Dienstagabend in München mitteilte. Mit dem Nettoemissionserlös soll die Komplettübernahme von Siemens Gamesa zum Teil finanziert werden.

Die Anleger reagierten verschnupft auf die Nachrichten: Die Energy-Aktien verloren im Handel am Mittwochvormittag zeitweise mehr als sechs Prozent an Wert. Die Anteilsverwässerung für die bestehenden Aktionäre sei schlimmer als befürchtet, erklärte Analyst Nicholas Green von Bernstein Research. Dabei sei mit der Pflichtwandelanleihe nur ein Teil der geplanten Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Siemens-Gamesa-Kaufs erfolgt.

Die im Rahmen der Anleihe zu begebenden Schuldverschreibungen seien in neu ausgegebene oder bestehende Aktien wandelbar, teilte Siemens Energy weiter mit. Das Bezugsrecht der Aktionäre wurde dabei den Angaben zufolge ausgeschlossen. Bei Fälligkeit werden alle ausstehenden Schuldverschreibungen am 14. September 2025 obligatorisch in Aktien umgewandelt. Die Anleihe wird mit 5,625 Prozent pro Jahr verzinst.

Siemens Energy hält bislang nur zwei Drittel an Siemens Gamesa, die erhebliche Probleme im Bereich Windkraftanlagen an Land hat. Ein rund vier Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für die ausstehenden Aktien wurde bereits im Mai angekündigt. Siemens Gamesa soll komplett übernommen und von der Börse genommen werden, um das Unternehmen leichter zurück auf Kurs zu bringen. Die Pflichtwandelanleihe gilt als ein erster Schritt.

So hatte Siemens Energy bei der Veröffentlichung der Übernahmepläne angekündigt, bis zu 2,5 Milliarden Euro des Transaktionsvolumens mit Eigenkapital oder eigenkapitalähnlichen Instrumenten zu finanzieren. Die verbleibende Summe würde über Fremdkapital und vorhandene Barmittel finanziert. Dabei strebt das Unternehmen den Angaben zufolge nach wie vor ein solides Investment-Grade-Rating an.

Größter Aktionär des Energietechnikkonzerns ist der Technologiekonzern Siemens, der sein Energiegeschäft vor rund zwei Jahren abgespalten hatte und seitdem noch 35 Prozent an Energy hält. Siemens hatte dabei angekündigt, seinen Anteil weiter abschmelzen zu wollen. Wegen der schlechten Aktienkursentwicklung nach mehreren Gewinnwarnungen hatte der Technologiekonzern in diesem Sommer Milliarden auf die Energy-Beteiligung abschreiben müssen./nas/mne/ngu/stk