LUXEMBURG (dpa-AFX) - In der Eurozone hat sich die Inflation zu Beginn des Jahres überraschend deutlich verstärkt. Die Jahresinflationsrate stieg im Januar auf 0,9 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Luxemburg nach einer ersten Schätzung mitteilte. Im Dezember hatte die Rate noch deutlich tiefer bei minus 0,3 Prozent gelegen. Ökonomen erklärten den starken Anstieg der Teuerung mit Sondereffekten.

Analysten wurden vom Ausmaß des Anstiegs überrascht. Sie waren für Januar im Schnitt nur von einer Inflationsrate von 0,6 Prozent ausgegangen. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent.

Mitentscheidend für die Entwicklung der Teuerungsrate sind die Energiepreise. Diese sanken im Januar zwar um 4,1 Prozent im Jahresvergleich, der Rückgang war aber deutlich schwächer als in den Monaten zuvor. Spürbar verteuert haben sich zu Beginn des Jahres Lebens- und Genussmittel.

Die Kernrate der Verbraucherpreise, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, betrug im Januar sogar 1,4 Prozent. Die Kernrate war deutlich höher als im Dezember und erreichte den höchsten Wert seit fünf Jahren.

Experte Christoph Weil von der Commerzbank erwartet nach dem Preissprung zum Jahresauftakt für die kommenden Monate "keinen stärkeren unterliegenden Preisauftrieb". Seiner Einschätzung nach haben Sondereffekte wie die Einführung einer CO2-Abgabe in Deutschland und die zeitweise Senkung der Mehrwertsteuer die Preisentwicklung ein Stück weit verzerrt.

Der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, erkannte ebenfalls kurzfristige Effekte, die derzeit die Preise nach oben treiben. Zwar erwarten Ökonomen in den kommenden Monaten gemeinhin weiter steigende Verbraucherpreise. Dieser Anstieg dürfte sich aber eher in Grenzen halten. "Laufen die aktuellen Sondereffekte aus, wird die Teuerungsrate nicht nachhaltig über Niveaus von über 1,3 Prozent hinauskommen", prognostizierte Gitzel.

Damit würde die Inflation im Euroraum unter der Marke bleiben, die von der EZB mittelfristig angepeilt wird. Die Notenbank sieht das Ziel der Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von mittelfristig knapp zwei Prozent als gewährleistet an.

Der Euro stand am Devisenmarkt unter Druck. Gegen Mittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,2019 US-Dollar gehandelt und damit knapp über dem tiefsten Stand seit zwei Monaten./jkr/jsl/jha/