FRANKFURT (dpa-AFX) - Die großen deutschen Pharmakonzerne können mit den Schwergewichten der Branche nicht Schritt halten. Während die globalen Marktführer aus den USA und der Schweiz ihren Umsatz im vergangenen Jahr kräftig steigerten, fielen die hiesigen Vertreter zurück. Das zeigt eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY, die am Montag in Frankfurt vorgestellt wurde.

Demnach steigerten die 22 untersuchten Konzerne 2018 ihren Umsatz aus dem Pharmageschäft insgesamt um 0,9 Prozent auf 460,8 Milliarden Euro gemessen am Vorjahr. Die deutschen Top-Unternehmen Bayer <DE000BAY0017>, Merck und Boehringer Ingelheim mussten indes Rückgänge von 0,3 Prozent hinnehmen. Dabei blieben sie besonders hinter der Weltspitze um Pfizer <US7170811035>, Roche <CH0012032048>, Johnson & Johnson <US4781601046>, Merck & Co <US58933Y1055> und Novartis <CH0012005267> zurück. Der Umsatz der Top Ten wuchs für sich genommen um 2,6 Prozent.

"Die Branche entwickelt sich in zwei Geschwindigkeiten", sagte EY-Experte Siegfried Bialojan. Während die USA den Ton angäben und die Schweizer gut mithalten könnten, falle das übrige Europa ab. Die Marktführer profitierten von Blockbuster-Medikamenten, also Arzneien mit mehr als einer Milliarde Dollar Jahresumsatz. Gerade bei Krebsmitteln sind Amerikaner und Schweizer schon seit längerem führend. Die deutschen Vertreter sind bei Blockbustern weit schwächer aufgestellt. Bayer gelangen mit neuen Produkten immerhin deutliche Zuwächse.

Größter Pharmakonzern der Welt ist laut der Studie der US-Konzern Pfizer mit 42,4 Milliarden Euro Umsatz 2018. Bayer kam auf 16,8 Milliarden Euro und Platz 14, gefolgt von Boehringer Ingelheim und dem Darmstädter Merck-Konzern auf den Rängen 18 und 22.

Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) im Pharmabereich schneiden die deutschen Branchenschwergewichte aber gut ab. So wendet Merck demnach 27 Prozent des Umsatzes dafür auf - global Platz zwei. Merck feilt an neuen Krebstherapien, während alte Kassenschlager des Konzerns weniger Geld abwerfen. Auch Boehringer Ingelheim liegt bei den F&E-Ausgaben gemessen am Umsatz über dem Schnitt.

Insgesamt sind die Pharmakonzerne weiter von Blockbustern abhängig. Sie erzielten 2018 fast zwei Drittel des Umsatzes (64,2 Prozent) mit diesen Top-Medikamenten. "Es geht aber nicht mehr so stark um Arzneien für den Massenmarkt, sondern um individuelle, teure Arzneien wie Zell- und Gentherapien", sagte EY-Partner Jürgen Peukert.

Die Branche arbeitet ferner weiter sehr profitabel. Bei den 22 untersuchten Konzernen blieb im Schnitt gut ein Viertel des Umsatzes als Betriebsgewinn vor Steuern und Zinsen hängen. Allerdings ließen hohe Kosten für neue Wirkstoffe die Margen gemessen an den Vorjahren sinken. "Die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel", folgerte EY./als/DP/fba