BRÜSSEL (dpa-AFX) - Umweltschutzorganisationen haben das beim EU-Gipfel in Brüssel vereinbarte neue Klimaschutzziel für die Europäische Union als unzureichend kritisiert. "Die Regierungen werden die Einigung zweifellos als historisch bezeichnen, aber die Beweise zeigen, dass sie nur eine kleine Verbesserung darstellt", kommentierte Greenpeace-Klimaexperte Sebastian Mang am Freitag. Das neue Klimaschutzziel werde es Öl- und Gasunternehmen ermöglichen, zu überleben. Die meisten Politiker hätten noch immer Angst, sich die großen Umweltverschmutzer vorzunehmen.

Konkret kritisierte Greenpeace, dass Staaten beim Gipfel darauf bestanden hätten, dass die Stromerzeugung zum Beispiel mit Erdgas als sogenannte Übergangstechnologie anerkannt werde. So könne es dafür Fördermittel geben, was katastrophal für das Klima wäre.

Der EU-Gipfel hatte am Freitagmorgen nach langen Beratungen beschlossen, dass der Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 sinken soll. Bisher gilt ein Ziel von minus 40 Prozent. Der Präsident des Naturschutzbunds Nabu, Jörg-Andreas Krüger, sagte, damit gäben weiter Großbritannien, China und Japan mit ihren Ankündigungen zum Klimaschutz den Ton an. Auch die Berechnungsweise des neuen Ziels kritisierte er, ebenso wie andere Umweltschützer. Anders als bisher sollen nun etwa Wälder auf das Klimaschutzziel angerechnet werden.

Die Organisation Germanwatch erkannte die Einigung zwar als "großen Schritt für die EU" an, dennoch reiche sie mit Blick auf die Ziele des UN-Klimaabkommens nicht aus. Deutschlands WWF-Vorstand Eberhard Brandes sagte, die Staats- und Regierungschefs "hätten kurz vor dem Klimagipfel zum fünfjährigen Jubiläum des Pariser Abkommen ein stärkeres Zeichen setzen müssen."/aha/DP/eas