SAN FRANCISCO/MELBOURNE (dpa-AFX) - Mit der Übernahme des australischen Zahlungsdienstleisters Afterpay will der US-Bezahldienst Square sein Geschäft um Ratenzahlungen erweitern. Der Deal mit einem Wert von gut 29 Milliarden US-Dollar (24,4 Mrd Euro) solle im ersten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen sein, teilten beide Unternehmen am Montag in San Francisco und Melbourne mit. Square will den Kaufpreis vollständig in eigenen Aktien bezahlen, könnte aber ein Prozent des Gesamtwertes auch in bar abgelten. Damit wäre der Afterpay-Zukauf der größte der Firmengeschichte der Kalifornier.

Am Montagmorgen sprang die Afterpay-Aktie nach Handelsbeginn kurzfristig auf bis zu 125 australische Dollar, am Ende schloss sie dann aber mit 114,80 Dollar. Das entspricht aber immer noch einem Plus von knapp einem Fünftel gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. Für die Square-Aktie ging es im vorbörslichen Handel um gut fünf Prozent auf 233 US-Dollar runter.

Afterpay-Aktionäre sollen für jede ihre Aktie 0,375 Square-Anteile erhalten. Basierend auf dem Square-Schlusskurs vom Freitag in Höhe von 247,26 US-Dollar entspricht dies nach der Übernahme einem Preis von gut 126,21 australische Dollar je Afterpay-Aktie, was nach Angaben beider Firmen einem Aufschlag von gut 30 Prozent entspricht.

Die Kalifornier wollen mithilfe von Afterpay vor allem für jüngere Kunden attraktiv werden, die sich keine Kreditkarte leisten können oder wollen und dennoch auf Pump Sachen kaufen möchten. "Buy now, pay later" (Kauf jetzt, zahl später) soll Square-Nutzer also weg von der traditionellen Kreditkarte und hin zu Ratenzahlungen zu bringen. Solange Kunden die Abschläge rechtzeitig zahlen, will Afterpay nach eigenen Angaben keine Zinsen oder Gebühren erheben.

Das Management um Twitter-Chef und Square-Gründer Jack Dorsey will die Funktion in die Cash-App des Unternehmens einbauen. Durch die Übernahme sollen zu den bisherigen 70 Millionen jährlichen Cash-App-Nutzern gut 16 Millionen Afterpay-Kunden hinzukommen, sagte Square-Finanzchefin Amrita Ahuja in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Mit der Anwendung können Nutzer bisher Geld empfangen und senden, ihre Finanzen im Blick halten sowie in Aktien oder Bitcoins investieren. Im Februar hatte das Unternehmen selbst bei den Anlegern von Kryptowährungen für Schlagzeilen gesorgt, als es für 170 Millionen Dollar rund 3318 Bitcoins kaufte.

Anfang März hatte Square bereits den Musikstreamingdienst Tidal des Rapstars Jay-Z für 297 Millionen Dollar gekauft. Dorsey begründete die Übernahme damit, dass es um neue Wege gehe, wie Musiker mit ihrer Arbeit Geld verdienen könnten. Square habe mit seinem Smartphone- und Tablet-Kassensystem neue Chancen für kleine Händler geschaffen - und die Erfahrung könne auch in der Musikbranche nützlich sein. So könnten etwa der Verkauf von Fanartikeln integriert oder zusätzliche Erlösströme geschaffen werden./ngu/knd/zb