WASHINGTON/WARSCHAU (dpa-AFX) - Wenige Tage vor der Präsidentenwahl in Polen empfängt US-Präsident Donald Trump am Mittwoch Staatspräsident Andrzej Duda im Weißen Haus. Wichtigstes Thema dürfte dabei die von Polen erhoffte Verstärkung der US-Militärpräsenz auf seinem Gebiet sein. Zudem könnte es auch um den Kauf von US-Rüstungsgütern für die polnischen Streitkräfte gehen. Es handelte sich um den ersten Besuch eines Staatschefs in der Regierungszentrale in Washington seit der Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie in den USA.

Die nationalkonservative PiS-Regierung in Warschau möchte seit Langem mehr US-Truppen in ihrem Land haben - vor allem als Abschreckung gegen Russland. Die Vorstellungen reichen bis zu einer ständigen US-Militärbasis in Polen, in der polnischen Öffentlichkeit "Fort Trump" genannt. Bislang sind US-Soldaten dort im Rotationsprinzip stationiert, nach Angaben der polnischen Regierung derzeit rund 5000.

Im Juni 2019 hatten Trump und Duda vereinbart, das Kontingent um tausend weitere Soldaten aufzustocken. Nach Berichten polnischer Medien könnte das Treffen im Weißen Haus aber zum Ergebnis haben, dass nun 2000 weitere US-Soldaten nach Polen geschickt werden. Auch könnten demnach 30 Kampflugzeuge vom Typ F-16 von Deutschland nach Polen verlegt werden.

Trump hatte in der vergangenen Woche angekündigt, er wolle die Zahl der US-Soldaten in Deutschland um fast 10 000 reduzieren. Regierungsvertreter in Warschau haben seitdem betont, man wolle eine Erhöhung der US-Militärpräsenz nicht auf Kosten Deutschlands.

Auch das Thema Energie dürfte bei den Gesprächen der Staatschefs eine Rolle spielen. Die USA bieten Polen Unterstützung beim Bau eines modernen Atomkraftwerks an, wie eine ranghohe Beamtin in Washington erklärte. Polen produziert derzeit 80 Prozent seines Stroms aus Kohle und hat kein Atomkraftwerk. Ein Strategiepapier der PiS-Regierung sieht den Bau von sechs AKW bis zum Jahr 2043 vor, das erste soll demnach 2033 in Betrieb gehen. Polen will Washington zufolge auch Flüssiggas aus den USA ankaufen.

Polen wählt am 28. Juni einen neuen Präsidenten. Der von der nationalkonservativen Regierungspartei PiS gestellte Amtsinhaber Duda führt in aktuellen Umfragen mit Werten um 41 Prozent. Sein wichtigster Herausforderer ist der Warschauer Oberbürgermeister Rafal Trzaskowski, der für das liberalkonservative Oppositionsbündnis Bürgerkoalition (KO) ins Rennen geht. Er liegt derzeit bei rund 30 Prozent. Erhält kein Kandidat im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen, ist für den 12. Juli eine Stichwahl vorgesehen./dhe/DP/zb