BERLIN (dpa-AFX) - Bei der Auswahl des künftigen Sturmgewehrs der Bundeswehr drohen weitere juristische Schwierigkeiten. In die wegen Auseinandersetzungen um mögliche Patentverletzungen verzögerte Vergabe hat sich nun auch der US-Hersteller Magpul eingeschaltet. Der Magazinhersteller habe sich mit einem Rechtsanwaltsschreiben an das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw gewandt, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums am Montag auf Anfrage. In dem Vergabeverfahren ist Heckler & Koch (HK) letzter verbliebener Bieter.

Das Fachmagazin "Soldat & Technik" berichtete, das US-Unternehmen vertrete die Auffassung, dass ein Polymermagazin von Heckler & Koch Patentrechte von Magpul verletze und verlange Klärung, ob es Teil des Angebots für das neue Sturmgewehr sei.

Ein HK-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, Heckler & Koch habe bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben, das zu dem Schluss komme, Patente der Firma Magpul seien nicht berührt. Diese Frage habe Heckler & Koch schon einmal bei der Entwicklung des Bauteils prüfen lassen.

Zuvor hatte das Verteidigungsministerium bereits den zunächst mit seinem Angebot erfolgreichen Thüringer Waffenhersteller C. G. Haenel wegen Hinweise auf Patentrechtsverstöße vom Vergabeverfahren ausgeschlossen. Stattdessen sollte - so der letzte Stand - Konkurrent Heckler & Koch zum Zuge kommen. Es geht um 120 000 Sturmgewehre, die das von HK gefertigte G36 ablösen sollen.

"Über den Inhalt dieses Schreibens können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Das Beschaffungsamt prüft den Sachverhalt", sagte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums zu dem Schreiben von Magpul. "Sobald ein Ergebnis vorliegt, werden wir das Parlament und die Öffentlichkeit, unter Einhaltung aller rechtlichen Aspekte, informieren."

Um das bereits von Heckler & Koch gelieferte Vorläufermodell G36 hatte sich 2012 eine Affäre entwickelt, die mit Hinweisen auf Probleme mit der Treffgenauigkeit begonnen hatte. Späteren amtlichen Untersuchungen zufolge traten diese nach langen Schussfolgen oder auch unter Hitzeeinwirkung auf. Von den Soldaten ist die Waffe bis heute geschätzt. Die frühere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte dennoch 2015 entschieden, das G36 auszumustern./cn/DP/eas