MÜNCHEN (dpa-AFX) - Wacker Chemie hält wegen des Kostengegenwinds trotz deutlicher Zuwächse zum Jahresstart und einer höheren Umsatzprognose für 2022 erst einmal nur am Gewinnziel fest. So kalkuliert Konzernchef Christian Hartel nun mit Belastungen durch höhere Energie- und Rohstoffpreise von rund 1,1 Milliarden Euro, was nochmal 100 Millionen mehr sind als zuletzt gedacht. Immerhin sieht er das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nach einem "sehr guten Jahresauftakt" 2022 "tendenziell eher am oberen Ende der prognostizierten Spanne".

Den Anlegern am Aktienmarkt reichte das aber nicht, wenngleich ein Branchenexperte beim Gewinnziel Luft nach oben sieht. Die Wacker-Chemie-Papiere fielen am Donnerstagvormittag zunächst bis auf knapp 155 Euro. Zuletzt berappelten sie sich aber ein Stück weit und grenzten das Minus auf zweieinhalb Prozent auf gut 163 Euro ein. Nach dem zuletzt guten Lauf der Papiere sieht Analyst Markus Mayer von der Baader Bank hier vor allem Gewinnmitnahmen einiger Investoren als Grund für das Minus. So liegen die Aktien 2022 trotz des aktuellen Rücksetzers immer noch fast ein Viertel vorne.

Hartel rechnet laut einer Mitteilung vom Donnerstag nun mit einem Jahresumsatz von etwa 7,5 Milliarden Euro, nachdem bisher rund 7 Milliarden im Plan gestanden hatten. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll weiterhin zwischen 1,2 und 1,5 Milliarden Euro erreichen.

"Besonders im Geschäft mit Silikonen und Polysilizium haben wir zum Jahresanfang noch von Rohstoffen und Energie profitiert, die bereits im vergangenen Jahr zu vergleichsweise günstigen Konditionen eingekauft worden sind", erklärte der Konzernchef. Das werde sich in den kommenden Quartalen ändern und deutliche Auswirkungen auf die weitere Ergebnisentwicklung des laufenden Jahres haben.

Im ersten Quartal profitierte das Unternehmen von einer noch robusten Nachfrage sowie - besonders stark - von Preiserhöhungen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um gut die Hälfte auf knapp 2,1 Milliarden Euro. Allein 43 Prozent des Wachstums gingen auf Preiserhöhungen zurück. Das operative Ergebnis lag bei knapp 644 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Analysten hatten im Durchschnitt weniger erwartet. Unter dem Strich blieben knapp 403 Millionen Euro hängen, nach 118 Millionen Euro vor einem Jahr.

Zur positiven Überraschung hätten vor allem das Geschäft mit dem Solar- und Chipindustriegrundstoff Polysilizium sowie die Beteiligung Siltronic beigetragen, erklärte Baader-Analyst Mayer. Siltronic liefert Halbleiter-Wafer an Chipkonzerne, die daraus Elektronikchips herstellen.

Chetan Udeshi, Analyst bei der US-Großbank JPMorgan, hebt zudem das Geschäft mit Silikonen hervor. Das sind vielseitig einsetzbare Kunststoffe, Öle und Harze, die etwa in der Elektronikindustrie, bei Textilherstellern, Medizintechnikunternehmen und Autobauern gefragt sind. Dieser größte Geschäftsbereich steigerte den Umsatz zum Jahresstart um die Hälfte auf 921 Millionen Euro, das operative Ergebnis schnellte auf 279 Millionen Euro nach oben.

Der noch kleinste Bereich Biosolutions litt unterdessen unter dem Ausfall einer Produktionsanlage am Standort Burghausen. Zudem kostet hier die Integration des US-Standorts San Diego erst einmal Geld. Insgesamt sieht Analyst Udeshi den Jahresstart von Wacker Chemie aber als gelungen. Der Gewinnausblick des Unternehmens sei zwar unverändert, könnte aber Luft nach oben haben./mis/nas/zb