MÜNCHEN (dpa-AFX) - Wacker Chemie will trotz großer Belastungen durch steigende Rohstoff- und Energiepreise den operativen Gewinn im laufenden Jahr bestenfalls konstant halten. Allerdings sorgt der Krieg Russlands gegen die Ukraine für viele Unwägbarkeiten. Derweil sollen die Aktionäre nach einem Gewinnsprung im Jahr 2021 eine überraschend hohe Rekorddividende von 8 Euro je Aktie erhalten - viermal so viel wie 2020. Die Aktien stiegen am Dienstagvormittag um gut zwei Prozent auf 145,20 Euro.

Der MDax -Konzern rechnet 2022 mit einem Umsatzwachstum um knapp 13 Prozent auf etwa 7 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (Ebitda) dürfte mit avisierten 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro bestenfalls stagnieren. "Dabei belasten höhere Preise für Energie und Rohstoffe die Ergebnisentwicklung voraussichtlich mit rund einer Milliarde Euro", teilte der Chemiekonzern am Dienstag in München mit.

Zudem gibt sich Konzernchef Christian Hartel mit Blick auf die Folgen des Ukraine-Krieges vorsichtig. Die direkten Folgen seien angesichts des geringen Umsatzanteils der Region überschaubar, doch welche Folgen sich politisch und wirtschaftlich aus dem Überfall Russlands auf die Ukraine noch ergeben könnten, sei gegenwärtig nicht verlässlich abzuschätzen, sagte Hartel.

Große Planungssicherheit herrscht also wohl erst einmal insbesondere für das erste Quartal, das bald abgeschlossen ist. Hier kalkuliert Hartel mit einem Umsatz von rund zwei Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel des angepeilten Jahresumsatzes. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll zum Jahresstart im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stärker wachsen als die Erlöse. Das impliziert einen Anstieg des operativen Gewinns um zumindest knapp die Hälfte nach 246 Millionen Euro im Auftaktquartal 2021.

Laut dem Analysten Markus Mayer von der Baader Bank liegt der Gewinnausblick für das Gesamtjahr in der Mitte der Spanne über der durchschnittlichen Markterwartung. Die Prognose sei insgesamt vernünftig. Allerdings erscheine der Ausblick eines operativen Gewinns der Polysilizium-Sparte von 330 bis 500 Millionen Euro recht vorsichtig. Hier könnte es dann noch Luft nach oben geben im Jahresverlauf.

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen unter anderem vom Bauboom und der voranschreitenden Digitalisierung in vielen Teilen der Welt profitiert. Das hochreine Polysilizium des Konzerns wird für Computerchips, aber auch Solaranlagen gebraucht. Gleichzeitig verleiht unter anderem die rege Bautätigkeit in vielen Teilen der Welt dem Geschäft mit Polymeren Schwung. Diese ganz unterschiedlich ausgeprägten chemischen Verbindungen dienen unter anderem als Basis für Klebstoffe, beigemengt werden sie aber auch Bodenbelägen, Farben oder Beton. Damit können die Eigenschaften der Materialien beeinflusst werden.

Der Umsatz stieg 2021 denn auch - wie schon bekannt - kräftig um rund ein Drittel auf 6,2 Milliarden Euro, der operative Gewinn erreichte mit gut 1,5 Milliarden Euro mehr als das Doppelte des Vorjahreszeitraums. Der Konzernüberschuss vervielfachte sich auf 828 Millionen Euro, was noch mehr ist als bei der Vorlage von Eckdaten im Januar in Aussicht gestellt./mis/ngu/eas