MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die sich eintrübende Weltkonjunktur und ein weiterhin schwieriger chinesischer Solarmarkt stimmen Wacker Chemie <DE000WCH8881> für das Gesamtjahr ein wenig vorsichtiger. Im Grundsatz bestätigte Konzernchef Rudolf Staudigl zwar den Jahresausblick eines Umsatzwachstums um einen mittleren einstelligen Prozentsatz nach 4,98 Milliarden Euro im Jahr 2018 sowie eines Rückgangs des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 10 bis 20 Prozent. Das operative Ergebnis erwartet der Manager nun aber eher am unteren Ende der Spanne.

Analysten hatten im Durchschnitt zuletzt aber ohnehin nur noch das untere Ende der Zielspanne auf dem Zettel. Sie rechnen 2019 mit einem operativen Gewinn von rund 761 Millionen Euro. Das wäre ein Rückgang um 18 Prozent.

Investoren konnte der etwas vorsichtigere Ausblick denn auch nicht verschrecken. Angesichts der Kursverluste der vergangenen Monate und Gewinnwarnungen anderer Chemiekonzerne scheinen sie Schlimmeres befürchtet zu haben. Der Aktienkurs stieg am Donnerstagvormittag um 4,74 Prozent auf 70,70 Euro. Damit setzte sich die Erholung der erst zuletzt in den Nebenwerteindex SDax <DE0009653386> abgestiegenen Aktien vom Mehrjahrestief von Anfang Juli bei 61,56 Euro fort.

Im abgelaufenen zweiten Quartal belasteten ein weiter schwieriges Polysilizium-Geschäft mit der Solarbranche, niedrigere Preise für Standard-Silikone, die etwa in der Autobranche und der Industrie eingesetzt werden, sowie hohe Energiekosten die Münchener. Der Umsatz fiel im Jahresvergleich um 4,6 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro, wie Wacker am Donnerstag mitteilte. Das Ebitda sank um fast ein Fünftel auf rund 211 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb mit gut 37 Millionen Euro weniger als die Hälfte des Vorjahreswertes hängen. Das lag auch am Gewinneinbruch der Beteiligung Siltronic <DE000WAF3001>, die unter einem schwierigen Chipindustrie-Umfeld leidet.

Insgesamt habe Wacker die Erwartungen trotz durchwachsener Resultate in etwa erreicht, schrieb Analystin Laura Lopez Pineda von der Baader Bank in einer ersten Einschätzung. Sie hob das Geschäft mit Solarsilzium hervor, das schon länger unter hartem Wettbewerb und Preisdruck im Sog einer geringeren staatlichen Solarförderung in China leidet. Ohne einen positiven Sondereffekt - die Anzahlungen eines Solarkunden in Höhe von 19 Millionen Euro wurde von Wacker einbehalten - wäre die Sparte Polysilicon zwar operativ in der Verlustzone gelandet. Analystin Lopez Pineda sprach dennoch von einer positiven Überraschung und verwies auf Fortschritte bei den Produktionskosten. Angesichts hoher Energiepreise in Deutschland mache sich die wachsende Produktion in den USA positiv bemerkbar.

Das Geschäft mit Silikonen, die unter anderem als Schmier- und Dämmstoffe in der Auto- und Bauindustrie eingesetzt werden, verlief laut der Baader-Bank-Analystin indes schwächer als gedacht. Wacker zufolge konnten hier etwas höhere Preise für Spezialitäten den Preisrückgang bei Standardware nicht vollständig ausgleichen. Während der Umsatz der größten Sparte Silicones nahezu stabil blieb, fiel das Ebitda um rund ein Drittel.

Rund lief es für den Geschäftsbereich Polymers rund um Zusatzstoffe etwa für Klebstoffe, Lacke und Farben, der schon länger vom Bauboom profitiert. Der Umsatz stieg leicht, das operative Ergebnis dank Kostensenkungen deutlich.

Insgesamt gab sich Konzernchef Staudigl denn auch zufrieden. "Zur Mitte des Jahres zeigt sich unser Chemiegeschäft in einer (...) soliden Verfassung. Trotz der sich eintrübenden Weltkonjunktur war die Nachfrage nach unseren Chemieprodukten weiterhin gut."/mis/eas/jha/