MINSK (dpa-AFX) - Nach Warnungen vor Umsturzversuchen im Zuge der Präsidentenwahl hat die Polizei in Belarus (Weißrussland) nach eigener Darstellung Dutzende Menschen festgenommen. In der Nähe der Hauptstadt Minsk seien in der Nacht zum Mittwoch 32 Angehörige der privaten russischen "Wagner Gruppe" aufgegriffen worden, teilte der Geheimdienst KGB der staatlichen Nachrichtenagentur Belta zufolge mit. In lokalen Medien wurden die Namen von mutmaßlichen "Söldnern einer privaten Militärfirma" veröffentlicht. Diese Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Staatschef Alexander Lukaschenko hat im Wahlkampf mehrfach vor einer Revolution und Zuständen wie 2014 auf dem "Maidan" gewarnt, dem Unabhängigkeitsplatz von Kiew im Nachbarland Ukraine. In seinem Land gebe es nicht viele "Maidan-Anhänger". Diese kämen vielmehr aus dem Ausland und würden "weltweit an Provokationen teilnehmen".

Die Wahl ist für den 9. August angesetzt. Lukaschenko wird von Gegnern als "Europas letzter Diktator" kritisiert. Der 65-Jährige geht seit Wochen hart gegen Proteste vor.

Am Abend berief er den nationalen Sicherheitsrat ein und ordnete an, dass sich der Geheimdienst mit Russland zur Klärung des Sachverhalts in Verbindung setze.

Beobachter gehen davon aus, dass Lukaschenko Angst vor gewaltsamen Umbrüchen schürt, um seine Wiederwahl zu sichern. Eine seiner Herausforderinnen, Swetlana Tichanowskaja, sagte am Dienstag in einer TV-Ansprache, die Behörden versuchten, die Bevölkerung einzuschüchtern. "Wir wollen einen neuen Präsidenten. Die Behörden antworten uns, dass es dann einen Maidan geben wird."

Lokalen Medien zufolge sollen sich mehr als 200 "Söldner" in dem Land zwischen Russland und dem EU-Mitglied Polen aufhalten, "um die politische Lage in Belarus zu destabilisieren". Russland wies die Berichte über angebliche "Wagner-Söldner" zurück. "Ich bin überzeugt, dass das nicht stimmt", sagte der Vizechef des Verteidigungsausschusses der Staatsduma, Juri Schwytkin, der Agentur Interfax. Die Anschuldigungen dürften die Beziehungen zwischen beiden Ländern weiter belasten./cht/DP/fba