BADEN-BADEN (dpa-AFX) - Der Leasingspezialist Grenke prüft nach den Betrugsvorwürfen der Investorengruppe Viceroy die Integration seines viel kritisierten Franchisesystems in den Konzern. Wolfgang Grenke, Unternehmensgründer und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns, biete dabei die Übernahme der von der Gesellschaft CTP gehaltenen Beteiligungen an den Franchisegesellschaften an, teilte Grenke am Montag in Baden-Baden mit. Wolfgang Grenke werde dabei wegen möglicher Interessenkonflikte sein Aufsichtsmandat mit sofortiger Wirkung solange ruhen lassen, bis diese Vorwürfe ausgeräumt seien, hieß es weiter.

Die in der vergangenen Woche stark gebeutelte Aktie verlor am Vormittag erneut und gab um rund 6,7 Prozent nach. Der Kurs war nach der Veröffentlichung des Viceroy-Berichts am vergangenen Dienstag und Mittwoch um insgesamt mehr als die Hälfte auf weniger als 24 Euro gefallen - in der Spitze war der Börsenwert des Unternehmens damit um mehr als 1,4 Milliarden Euro gesunken.

Das Franchisesystem nutzt Grenke zur Expansion in neue Märkte. Die Kapitalmehrheit der Unternehmen liegt den Angaben zufolge bislang bei verschiedenen Finanzinvestoren, darunter der CTP Handels- und Beteiligungs GmbH (CTP), deren indirekter Eigentümer seit Februar 2020 Wolfgang Grenke ist. Nach etwa vier bis sechs Jahren erwirbt Grenke die Franchise-Unternehmen. Der Grenke-Konzern erwägt nun, bereits mit Gründung Gesellschafter der Franchise-Unternehmen zu werden.

Das Angebot zur Übernahme der Franchisebeteiligungen der CTP gilt bis 31. Dezember 2021. Vorstand und Aufsichtsrat von Grenke zögen das Angebot in Erwägung. Die Umsetzung eines möglichen Erwerbs will der Konzern von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft prüfen lassen. Ebenso sollen Franchise-Übernahmen der Vergangenheit geprüft werden.

Die Familie Grenke bekannte sich unterdessen zu dem Unternehmen und will ihr Aktienpaket von insgesamt 40,84 Prozent langfristig halten. Teil dieses Pakets ist auch der Anteil von Wolfgang Grenke. Der Investor Viceroy hatte vergangene Woche unter anderem das Franchisesystem von Grenke kritisiert und behauptet, ein großer Teil der im Geschäftsbericht aufgeführten finanziellen Mittel existiere nicht. Grenke hat die Vorwürfe zurückgewiesen und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG damit beauftragt, ein Sondergutachten zu erstellen. Dabei gehe es darum die Substanz des Geschäftes zu belegen und die Vorwürfe endgültig zu widerlegen, hatte Grenke erklärt.

Die Sache ist auch deshalb heikel, weil Viceroy, die vom britischen Spekulanten Fraser Perring angeführt wird, mit der Geschichte - wie in anderen Fällen zuvor - selbst wohl eine Menge Geld verdient. Mit sogenannten Leerverkäufen hat die Investorengruppe auf den Absturz der Grenke-Aktie gewettet und macht daraus auch keinen Hehl. Bei Leerverkäufen verkauft ein Investor Aktien, ohne diese zu besitzen, und kann sie dann bei einem Kurssturz billiger nachkaufen.

Bei Grenke dreht sich alles um Finanzierungsgeschäfte für Unternehmen, Selbstständige und Start-ups. Aktiv ist das Unternehmen vor allem im sogenannten Small-Ticket-Leasing. Das heißt, der Wert der im Rahmen der einzelnen Verträge angeschafften Software und Geräte - Computer, Telefone, Laptops und so weiter - ist bei Grenke in der Regel gering. Verbraucher kennen Leasing vor allem vom Auto. Firmen leasen aber nicht selten auch Inventar, für das sonst hohe Beträge auf einmal hinterlegt werden müssten. Zur Gruppe gehört mittlerweile aber auch eine eigene Bank.

Grenke bietet Bankkonten, Kredite und das sogenannte Factoring an. Eine Factoring-Firma kauft anderen Unternehmen üblicherweise deren Forderungen gegenüber Kunden ab und kümmert sich dann selbst um die Abwicklung der Zahlungen./nas/stk/jha/