MANNHEIM (dpa-AFX) - Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im Juli nach drei Anstiegen in Folge leicht eingetrübt. Wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte, fiel der von ihm erhobene Indikator um 4,1 Punkte auf 59,3 Zähler. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 60,0 Punkte gerechnet.

Die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage hellte sich hingegen den zweiten Monat in Folge auf. Sie stieg um 2,2 Punkte auf minus 80,9 Zähler. "Der Ausblick für die deutsche Wirtschaft verändert sich in diesem Monat nur unwesentlich gegenüber dem Vormonat", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Die Befragten erwarteten nach einem sehr schlechten zweiten Quartal einen allmählichen Anstieg der Wirtschaftsleistung in der zweiten Jahreshälfte und Anfang 2021.

Bankanalysten hoben die mittelfristigen Folgen der Virus-Krise für die deutsche Wirtschaft hervor. "Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie wirken wie ein Brandbeschleuniger für viele Branchen, die auch schon vor Ausbruch des Virus mit Wachstumsschwierigkeiten zu kämpfen hatten", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. Die deutsche Wirtschaft werde deshalb auch über das dritte Quartal hinaus mit Wachstumsschwierigkeiten zu kämpfen haben.

Ähnlich bewertet die Landesbank Baden-Württemberg die Situation. Die ZEW-Umfrage zeige, dass sich die Zweifel an einer schnellen konjunkturellen Erholung erhöht hätten und die Erwartung einer nur langsamen Erholung mehr Anhänger gefunden habe. Dazu dürften nicht zuletzt Berichte über wieder steigende Infektionszahlen in einigen Ländern und die beunruhigenden Zahlen aus den USA beigetragen haben.

Im Gegensatz zu Deutschland stiegen die Konjunkturerwartungen für die Eurozone leicht an. Es ist die vierte Verbesserung in Folge. Ebenso hellte sich die Lageeinschätzung etwas auf./bgf/jkr/stk