LIPPSTADT (dpa-AFX) - Beim Licht- und Elektronikspezialisten Hella hat sich die Corona-Krise im dritten Geschäftsquartal bemerkbar gemacht. Umsatz und Ergebnis waren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Ende Februar) rückläufig, wie das MDax-Unternehmen am Donnerstag im westfälischen Lippstadt bei der Vorlage ausführlicher Neunmonatszahlen mitteilte. Während die Erlöse um 4 Prozent auf rund 1,54 Milliarden Euro zurückgingen, sackte das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 21 Prozent auf 90 Millionen Euro ab. Die Marge ging um 1,3 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent zurück. Unter dem Strich brach der Überschuss um fast ein Viertel auf 51 Millionen Euro ein.

Die Hella-Aktie lag am Vormittag rund 1,3 Prozent im Plus. Im laufenden Jahr haben die Papiere aufgrund des Einbruchs an den Märkten und der globalen Autoschwäche aber schon fast die Hälfte an Wert verloren. Auch in den zurückliegenden 5 Jahren sieht es mit einem Minus von über 40 Prozent kaum besser aus.

Hella hatte schon Mitte März mitgeteilt, dass die ursprünglich angepeilten Jahresziele aufgrund der Coronavirus-Pandemie verfehlt werden dürften. Die Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2019/2020 werde wegen nachlassender Kundennachfrage und möglicher Unterbrechungen der globalen Lieferketten voraussichtlich nicht erreicht. Die genaue Höhe der negativen Corona-Effekte lasse sich aktuell aufgrund der hohen Unsicherheiten nicht beziffern, hieß es nun. Ursprünglich hatte Hella Erlöse in der Bandbreite von 6,5 bis 7,0 Milliarden Euro sowie eine bereinigte Ebit-Marge von 6,5 bis 7,5 Prozent angepeilt.

Konzernchef Rolf Breidenbach betonte, dass sich das Unternehmen trotz der schwierigen Lage aufgrund der Pandemie in den ersten neun Monaten erneut deutlich besser entwickelt habe als der Automarkt und mit Blick auf die ersten drei Quartale noch im Rahmen der Erwartungen liege. Gleichwohl sei das Autogeschäft durch den Ausbruch des Coronavirus belastet.

Aus Sicht der US-Investmentbank Goldman Sachs ist die starke Entwicklung im Automotive-Segment positiv zu werten, schrieb Analystin Gungun Verma. Sie geht davon aus, dass Hella in einem schwierigen Umfeld weiterhin deutlich besser als die Konkurrenz vorankommen wird. Erwartete Management-Aussagen zur Liquidität, zu Kostenmaßnahmen und zur Robustheit des Geschäfts dürften nun die Kursentwicklung aber eher bestimmen als die Zahlen.

Hella-Chef Breidenbach bezeichnete die Covid-19-Pandemie als "eine enorme Herausforderung" für die gesamte Autoindustrie. Er zeigte sich aber dennoch zuversichtlich, dass Hella die Krise meistern könne. So verfüge der Konzern über eine starke Bilanz mit hoher Liquidität, betonte der Manager. Breidenbach verwies zudem darauf, dass Hella frühzeitig damit begonnen habe, Personal und Kosten der Lage entsprechend anzupassen.

Hella hat zahlreiche Mitarbeiter in Deutschland und an weiteren internationalen Standorten in Kurzarbeit geschickt. Zudem sind unter anderem weitere Einsparungen von Personal- und Sachkosten geplant. Jetzt sei strikte Kostendisziplin notwendig, unterstrich Breidenbach in einer Telefonkonferenz. Er geht davon aus, dass die Krise nicht in kurzer Zeit vorübergeht.

Die kommenden Monate dürften für die Westfalen wie für die gesamte Branche schwierig werden. Ungeachtet dessen betonte Breidenbach, dass die Lang- und Mittelfriststrategie unverändert bleibe. Ein Lichtblick stelle zudem China dar, wo der Manager bereits eine leichte Erholung der Märkte ausmachte und die Auslastung der Fabriken wieder steige. Im Reich der Mitte hatte die Corona-Krise ihren Anfang genommen, der chinesische Markt ist für Hella von großer Bedeutung.

Der Zulieferer leidet derzeit aber nicht nur unter dem Produktionsstopp der Autobauer in Europa und Amerika infolge der Virus-Krise, sondern hatte schon zuvor die seit geraumer Zeit anhaltende Schwäche der Automärkte zu spüren bekommen.

Das westfälische Unternehmen Hella ist vor allem für seine Scheinwerfer bekannt. Produkte der Lippstädter sind in vielen Wagen verbaut. Die Autoindustrie setzt aber nicht nur in großem Stil auf die Scheinwerfer, sondern etwa auch auf die Heckleuchten, Innenraum-Lampen, Kamerasoftware und Radarsensoren des Konzerns./eas/men/stk