BREMEN (dpa-AFX) - In den nächsten vier bis fünf Jahren will der Insolvenzverwalter der kollabierten Greensill-Bank Milliarden-Summen zurückholen, um Forderungen der Gläubiger zu begleichen. Es sei Insolvenzmasse vorhanden, verkündete Michael Frege in seinem Bericht bei der ersten Gläubigerversammlung in Bremen. Soweit die gute Nachricht. Weniger gut ist, dass sich das Verfahren fünf bis zehn Jahre hinziehen kann. Er rechne mit Gerichtsprozessen, ergänzte Frege. Und das kann dauern.

Zu der Versammlung kamen auf Einladung des Amtsgerichts Bremen am Dienstag rund 100 Gläubiger oder deren Vertreter ins Konzerthaus "Glocke". Frege schilderte 45 Minuten lang die Ausgangslage, den Sachstand und die Perspektive. Der Bericht habe Hoffnung gemacht, sagte Daniel Zimmermann, Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Monheim, die bei Greensill 38 Millionen Euro als Festgelder angelegt hatte. Auch wenn Frege es nicht fest versprochen habe, so habe er doch zumindest das Ziel formuliert, innerhalb der ersten fünf Jahre zwei Milliarden Euro als Insolvenzmasse zurückzuerlangen.

Eine Milliarde Euro würde in diesem Szenario vorrangig an den gesetzlichen Entschädigungsfonds gehen, die zweite aber an den freiwilligen Fonds sowie die ungesicherten Gläubiger, zu denen auch die Kommunen zählen. Setze man dies ins Verhältnis, könne eine Kommune wie Monheim hoffen, in den ersten fünf Jahren ein Viertel der Forderungen zurückzuerlangen, rechnete Zimmermann vor. "Natürlich sind 25 Prozent immer noch nicht 100. Aber die Aussicht, zumindest einen Teil des Geldes zurückerlangen zu können, ist eine gute Aussicht."

Die Strategie der Insolvenzverwaltung: Es sollen vor allem Ansprüche der Greensill Bank in England, in den USA und in Australien bestmöglich geltend gemacht und das Vermögen der Greensill Bank nach Deutschland zurückgeholt werden. Die Gesamtsumme der angemeldeten Forderungen beläuft sich auf rund vier Milliarden Euro.

Die Finanzaufsicht Bafin hatte die Bank Anfang März geschlossen, Mitte März wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Privatanleger wurden entschädigt, Kommunen sind seit 2017 aber nicht mehr über den Einlagensicherungsfonds abgesichert.

Die Stimmung bei der Versammlung beschrieb Rechtsanwalt Joachim Kühne von der Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland als sachlich. Er gehört dem rund 40-köpfigen Insolvenzteam um Frege an. Man müsse die Menschen verstehen. "Hier ist großer Schaden entstanden", so Kühne. "Ziel der Insolvenzverwaltung ist es jetzt, den Schaden zu minimieren." Die Gläubiger würden nun im Halbjahresrhythmus über den Verfahrensstand informiert. "Jetzt macht der Insolvenzverwalter seine Arbeit weiter und wird unterstützt vom Gläubigerausschuss."

Genau dieser Ausschuss oder besser die Wahl der fünf Mitglieder des Gremiums war für viele Kommunalvertreter am Dienstag aber Anlass für Unmut. Denn anders als Kühne sehen Zimmermann und auch der Bürgermeister von Nordenham, Carsten Seyfahrt (SPD), die Kommunen nicht in dem Gremium vertreten. Wer das behaupte, sei auf einer anderen Veranstaltung gewesen, sagte Seyfahrt. Das Fehlen des kommunalen Vertreters und auch eines Vertreters der Jobcenter in dem Ausschuss sei ein "Nackenschlag" und "kein vertrauensbildendes Zeichen". Darüber sei er enttäuscht.

Aber auch Seyfahrt äußerte sich positiv über Frege, der einen "ungeschminkten, sehr ehrlichen und konstruktiven Bericht" abgegeben habe. Es handle sich eben um einen Langstreckenlauf. "Ich glaube schon, dass am Ende des Tages einiges Geld wieder an die Kommunen gehen wird", so Seyfahrt. Für die niedersächsische Stadt Nordenham geht es um 13,5 Millionen Euro.

Auch das Land Thüringen, das um 50 Millionen Euro bangt, rechnet mit einem langjährigen Insolvenzverfahren der Greensill Bank. "Darauf müssen wir uns einstellen. Erst am Ende wissen wir, ob Thüringens Einlagen zurückgezahlt werden oder teilweise verloren sind", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Erfurt./hr/DP/fba