MOSKAU (dpa-AFX) - Russland hat den Start des ersten Frachtschiffes mit ukrainischem Getreide aus dem Schwarzmeer-Hafen Odessa begrüßt. "Das ist ziemlich positiv", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Montag. "Das ist eine gute Möglichkeit, die Effektivität der Arbeit von Mechanismen zu testen, die bei den Verhandlungen in Istanbul vereinbart wurde." In Istanbul war am 22. Juli das unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei ausgehandelte Abkommen über den Getreideexport unterzeichnet worden.

"Wir wollen hoffen, dass die Vereinbarungen von allen Seiten erfüllt werden, und dass die Mechanismen wirksam arbeiten", sagte Peskow. Am Morgen war das unter der Flagge von Sierra Leone fahrende Frachtschiff "Razoni" mit 26 000 Tonnen Mais an Bord in Richtung Libanon aufgebrochen. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums soll das Schiff zunächst am 2. August einen Zwischenstopp in Istanbul einlegen, wo es überprüft werden soll. Die Ukraine hatte die Wiederaufnahme des Transportes auch als Schritt im Kampf gegen den Hunger in der Welt begrüßt.

Russland hatte stets betont, es erwarte im Gegenzug, dass seine Getreide-, Lebensmittel- und Düngerexporte ebenfalls wieder in vollem Umfang aufgenommen werden können. Das Land beklagt massive Beeinträchtigungen des Exports im Zuge der vom Westen verhängten Sanktionen. Die wegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine erlassenen Strafmaßnahmen betreffen zwar nicht direkt den Getreideexport, wirken nach Moskauer Angaben aber indirekt. Deshalb hatte Russland gefordert, dass sich die Vereinten Nationen für eine Aufhebung einsetzen.

Russland sicherte in dem Abkommen zu, Schiffe über einen Seekorridor fahren zu lassen und diese sowie beteiligte Häfen nicht anzugreifen. Die Exporte werden von einem Kontrollzentrum in Istanbul überwacht, das mit Vertretern Russlands, der Ukraine, der Vereinten Nationen und der Türkei besetzt ist. Schiffe sollen bei der Ein- und Ausfahrt ins Schwarze Meer inspiziert werden. So soll auf Verlangen Russlands sichergestellt werden, dass die Schiffe keine Waffen oder Ähnliches an Bord haben. Russland befürchtet, dass die Ukraine aus dem Erlös des Getreideverkaufs Waffen beschafft./mau/DP/jha