MOSKAU (dpa-AFX) - Russland lockert die Voraussetzungen für den Erhalt eines Corona-Zertifikats und stellt Erleichterungen nun auch für Bürger in Aussicht, die mit einem westlichen Vakzin geimpft wurden. Russische Staatsbürger, die im Ausland ein in Russland nicht zugelassenes Präparat verabreicht bekommen hätten, könnten nach ihrer Rückkehr einen Antikörper-Test machen, sagte Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa am Montag der Agentur Interfax zufolge. Seien Antikörper vorhanden, könne ein sechs Monate lang gültiges Zertifikat ausgestellt werden, das vielerorts etwa beim Besuch von Theatern, Museen und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens vorgezeigt werden muss.

Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte, dass es sich bei der neuen Regelung nicht um eine Anerkennung ausländischer Impfstoffe in Russland handele. Das flächenmäßig größte Land der Erde, das über fünf eigene Vakzine verfügt, hat bislang keinen einzigen ausländischen Impfstoff zugelassen. Moskau hatte im Gegenzug immer wieder die Anerkennung des russischen Präparats Sputnik V im Westen gefordert. Bislang haben aber weder die Weltgesundheitsorganisation WHO noch die Europäische Arzneimittelbehörde Ema Sputnik zugelassen.

Probleme gibt es vor allem, weil Russland die geforderten Datensätze bisher nicht zur Verfügung gestellt hat. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur müsste Russland etwa nachweisen, dass die Produktionsstätten von Sputnik V das Präparat immer in der gleichen Qualität herstellen. Die Inspektionen von Ema-Experten verzögerten sich deshalb mehrfach.

In den vergangenen Wochen hatten in Russland, wo erst rund 46 Prozent der 146 Millionen Einwohner vollständig geimpft sind, vielerorts Menschen gegen zunehmende Einschränkungen für Ungeimpfte protestiert. Besonders in Kritik gerieten zwei geplante Gesetze, die eine 2G-Regel in weiten Teilen des öffentlichen Lebens sowie in vielen Verkehrsmitteln vorsahen. Einer der Gesetzentwürfe, dem zufolge künftig nur noch Geimpfte und Genesene in Fernzüge und Flugzeuge hätten steigen dürfen, solle nun doch nicht mehr ins Parlament eingebracht werden, hieß es am Montag./haw/DP/stk