MOSKAU (dpa-AFX) - Russland hat dem Ausland die Verunglimpfung seines Corona-Impfstoffs "Sputnik V" vorgeworfen. "Uns ist im Detail bekannt, welche Mittel und Ressourcen heute aus dem Ausland eingesetzt werden, um den heimischen Impfstoff in der Welt und in Russland zu diskreditieren", teilte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Freitag in Moskau mit.

In sozialen Netzwerken und auf aus dem Ausland finanzierten russischsprachigen Seiten würden "Pseudo-Untersuchungen" und Lügen über die angebliche Gefährlichkeit des Wirkstoffes veröffentlicht, sagte Konaschenkow. Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow kritisierte laut Agentur Interfax "schmutzige Diskreditierungsmethoden".

Konaschenkow sprach von einer bislang "erfolgreichen Praxiserfahrung" mit dem bereits freigegebenen Impfstoff. Er wies außerdem Berichte zurück, denen zufolge Soldaten sich geweigert haben sollen, sich "Sputnik V" spritzen zu lassen. Zuvor hatte auch der russische Investmentfonds eine "negative Informationsattacke" gegen den russischen Impfstoff beklagt und diese auf Konkurrenz bei der Impfstoffentwicklung zurückgeführt.

Russland hatte am Wochenende in seiner Hauptstadt Moskau mit großangelegten Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Damit gehört Russland zu den ersten Ländern weltweit, die ihre Bevölkerung in größerem Stil gegen Sars-CoV-2 impfen lassen. Angaben des Moskauer Forschungszentrums Gamaleja zufolge, das den Impfstoff entwickelt hat, haben bereits mehr als 150 000 Russen "Sputnik V" injiziert bekommen. Unabhängige Studien zu dem Impfstoff sind bisher - wie bei den westlichen Impfstoffen - nicht bekannt, seine Freigabe hatte im Sommer international auch Kritik ausgelöst.

Russlands oberster Amtsärztin Anna Popowa zufolge soll vor und während der Impfung kein Alkohol getrunken werden - insgesamt 56 Tage lang. Der Leiter des Gamaleja-Instituts, Alexander Ginzburg, sprach dagegen von drei Tagen nach jeder Injektion.

In Russland zählten die Behörden zuletzt mehr als 28 500 Neuinfektionen und binnen einem Tag. Außerdem wurden 613 Tote registriert - so viele wie noch nie innerhalb von 24 Stunden. Zum Vergleich: In Deutschland meldete das Robert Koch-Institut mit 29 875 neuen Infektionen und 598 Todesfällen am Freitag neue Höchstwerte./haw/DP/eas