MOSKAU (dpa-AFX) - Russlands Energieminister Alexander Nowak wirft den USA angesichts drohender weiterer Sanktionen gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 Protektionismus vor. "Die USA wollen Europa ihr Flüssiggas oder noch andere Projekte aufnötigen", sagte er dem "Handelsblatt" (Samstag). "Das ist eine Einmischung in die Souveränität europäischer Staaten." Nowak nannte US-Sanktionen gegen den Bau der Leitung "absolut illegal und völlig inadäquat".

Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch seine Republikaner und die Demokraten in beiden Kammern des Kongresses wollen die Gaspipeline auf den letzten Metern noch stoppen. Senatoren der Republikaner und der Demokraten legten Anfang Juni einen entsprechenden Gesetzesentwurf vor. Washington hatte bereits Sanktionen verhängt. Danach wurden die Verlegearbeiten unterbrochen. Die USA argumentieren, Deutschland begebe sich in Abhängigkeit von Russland.

Wegen der Corona-Krise sei die Lage auf dem Gasmarkt schwierig geworden, sagte Nowak. "Unsere Experten gehen von einem Rückgang des Gasverbrauchs um vier Prozent aus." Er hoffe aber, dass "wir das Schlimmste schon hinter uns haben". Der russische Energieminister sprach von einem "langen Prozess", bis die Nachfrage nach Öl und Gas wieder auf den Bedarf vor der Krise ansteigen werde.

Beim Ölpreis hoffe er, dass im nächsten Jahr der Verbrauch das Niveau vor der Corona-Pandemie erreichen werde. "Vielleicht braucht es dafür aber auch zwei, drei Jahre. Denn die Menschen werden weniger fliegen, weniger Auto fahren, weniger reisen und mehr online machen."

Das Ölkartell Opec und seine Kooperationspartner wie Russland hatten sich zu Monatsbeginn auf eine Verlängerung der aktuellen Drosselung der Ölproduktion um einen weiteren Monat verständigt. "Wir beobachten den Ölmarkt genau, und je nach Lage werden wir dann reagieren", so Nowak./cht/DP/fba