WUPPERTAL (dpa-AFX) - Nach der Säureattacke auf den Energiemanager Bernhard Günther könnte an diesem Donnerstag (9.15) in Wuppertal das Urteil gesprochen werden. Dem 42 Jahre alten Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung. Der Belgier hatte seine Unschuld beteuert: Er sei an der Tat nicht beteiligt gewesen.

Die Ermittlungen gegen einen zweiten Verdächtigen waren eingestellt worden. Der Kampfsportler war mangels ausreichender Beweise wieder freigelassen worden, obwohl Günther aussagte, ihn wiedererkannt zu haben.

Der 55 Jahre alte Spitzenmanager Günther war am 4. März 2018 in der Nähe seines Hauses in Haan bei Wuppertal von zwei Männern angegriffen, mit hochkonzentrierter Schwefelsäure überschüttet und schwer verätzt worden. Er wurde mehrfach operiert. Augenlider und Teile seiner Gesichtshaut mussten transplantiert werden. Zahlreiche weitere Operationen stünden ihm noch bevor, hatte Günther ausgesagt.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Holger Jung, hatte bereits zu Prozessbeginn Ende Juni von einer "hohen Wahrscheinlichkeit für einen Schuldspruch" gesprochen. Am Tatort war ein Handschuh mit DNA-Spuren des Belgiers gefunden worden. Der hatte erklärt, die Handschuhe seien ihm gestohlen und als falsche Fährte am Tatort platziert worden.

Günther war zum Zeitpunkt des Anschlags Finanzvorstand der damaligen RWE -Tochter Innogy. Damals stand die Übernahme von Innogy durch Eon unmittelbar bevor. Der 55-Jährige vermutet als Auftraggeber des Säureattentats eine Person aus seinem damaligen beruflichen Umfeld, die ihn als Konkurrenten ausschalten wollte. Heute ist Günther Finanzvorstand des finnischen Energiekonzerns Fortum ./fc/DP/nas