BERLIN (dpa-AFX) - Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat davor gewarnt, die Menschen bei der Klimapolitik und der Verkehrswende zu überfordern. "Kein Verbot, kein Zwang und keine Verteuerung wird Erfolg haben, wenn wir damit weite Teile der Bevölkerung vor den Kopf stoßen", schrieb Scheuer in einem Gastbeitrag für die "Welt" (Donnerstag). "Wenn jemand ernsthaft verlangt, dass wir sofort Sprit- und Heizkosten drastisch erhöhen, Autos aus den Städten verbannen, große Autos am besten komplett verbieten, dann spüre ich vor allem eines: Arroganz und Verachtung gegenüber Lebensweisen, die sich von der eigenen unterscheiden."

Scheuer schrieb weiter: "Wir brauchen German Vernunft. Nur dann besteht eine Chance, dass die aggressiven Stimmen leiser und die Debatten wieder sachlicher werden. Es bringt nichts, aus dem Gefühl einer moralischen Überlegenheit heraus auf große Teile der Gesellschaft herabzublicken und sie zu verurteilen." Die Menschen müssten in ihren Anliegen und Gewohnheiten ernst genommen werden. "Das Klima zu schützen wird uns nur gelingen, wenn wir alle mitnehmen."

Das Klimakabinett der Bundesregierung, dem Scheuer angehört, will am 20. September eine Strategie vorlegen, wie Klimaziele eingehalten werden können. Strittig in der Koalition ist vor allem, über welchen Weg die Einsparung des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) erreicht werden soll. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will anders als die Union keinen Handel mit Emissionsberechtigungen, sondern eine Erhöhung der Energiesteuern für Sprit, Heizöl und Benzin - die Einnahmen will sie den Bürgern über eine Kopfpauschale zurückzahlen.

Wer in einem modernen, gut gedämmten Haus mit perfekt schließenden Fenstern wohne, tue sich leicht, höhere Heizkosten vorzuschlagen, so Scheuer: "Wer in der Stadt wohnt mit einer U-Bahn-Station vor der Haustür, tut sich leicht, höhere Spritpreise zu verlangen." Zwei Drittel der Menschen in Deutschland lebten in Kleinstädten oder auf dem Land. Ohne neue Angebote würden die Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt und damit in ihrer Freiheit./hoe/DP/nas