BAGDAD (dpa-AFX) - Die Strömung des schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr steht bei der Parlamentswahl im Irak vor einem deutlichen Sieg. Nach vorläufigen Ergebnissen der Wahlkommission erreichte sie bei der Abstimmung am Sonntag mehr als 60 von 329 Sitzen im Abgeordnetenhaus. Al-Sadr beanspruchte den Sieg am Montagabend für sich. In einer Fernsehansprache warnte er andere Staaten, sich in die Regierungsbildung einzumischen. Zugleich sagte er der Korruption den Kampf an. Alle Korrupten würden zur Verantwortung gezogen.

Al-Sadrs Strömung hatte bereits bei der Parlamentswahl 2018 auf dem ersten Platz gelegen. Deutliche Einbußen muss nach den vorläufigen Ergebnissen die damals zweitplatzierte Fatah-Koalition hinnehmen. Sie ist mit den schiitischen Milizen verbunden und wird vom Iran unterstützt.

Al-Sadrs Bewegung hatte im Wahlkampf für Reformen geworben. Sie ist jedoch Teil der politischen Elite, die viele Iraker für die Missstände im Land verantwortlich machen. Das Misstrauen in die Politik zeigte sich auch bei der Wahlbeteiligung, die bei der Abstimmung am Sonntag auf ein Rekordtief von rund 41 Prozent sank.

Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi hatte die Wahl nach Massenprotesten gegen die politische Führung des Landes um mehrere Monate vorgezogen. Die im Oktober 2019 ausgebrochenen Demonstrationen richteten sich unter anderem gegen die grassierende Korruption, die schwache Wirtschaftslage und die schlechte Infrastruktur. Auch Zellen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind in dem Land weiter aktiv./jku/DP/he