BERLIN (dpa-AFX) - Versicherte, die in verschiedenen europäischen Ländern gearbeitet oder Kinder erzogen haben, erhalten nun schneller ihre Rente. Dies werde durch einen neuen digitalen Datenaustausch über die Ländergrenzen hinweg ermöglicht, teilte die Deutsche Rentenversicherung Bund am Mittwoch in Berlin mit.

"Für viele Menschen ist es heute ganz selbstverständlich, in verschiedenen europäischen Staaten zu leben und zu arbeiten", sagte die Präsidentin der Rentenversicherung, Gundula Roßbach, der Deutschen Presse-Agentur. Das Europarecht stelle sicher, dass den Betroffenen dabei keine Nachteile bei ihrer späteren Rente entstehen, sagte Roßbach anlässlich einer Online-Konferenz des Sozialministeriums zum Thema Soziales Europa zur EU-Ratspräsidentschaft.

Für den dazu nötigen Austausch von Daten wurde auf EU-Ebene ein eigenes Kommunikationssystem installiert ("Elektronischer Austausch von Sozialversicherungsdaten", EESSI). Digitaler Datentransfer zwischen rund 15 000 europäischen Sozialversicherungsträgern soll so möglich sein. Stephan Fasshauer, Direktor bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, erläuterte: "Dadurch können Renten, die auf Beschäftigungszeiten in verschiedenen Ländern beruhen, nun schneller berechnet und ausgezahlt werden." Auch Anfragen von Versicherten könnten in kürzerer Zeit beantwortet werden.

Die Deutsche Rentenversicherung hat zuletzt rund 2,6 Millionen Renten auf Basis auch von Zeiten in anderen europäischen Staaten gezahlt. Zu den Empfängern zählen viele ehemalige Gastarbeiter, die auch in ihren Heimatländern Ansprüche erworben hatten und auch im Rentenalter wieder dorthin zurückkehrten. 375 000 Renten überwies die Deutsche Rentenversicherung 2019 nach Italien, 222 000 nach Spanien und 123 000 nach Österreich.

Zum EESSSI-Start im Juli 2019 tauschte die Rentenversicherung nach eigenen Angaben erste Daten aus. Seit Mitte diesen Jahres werde das System für den gesamten Datentransfer eingesetzt./bw/DP/nas