Damme (dpa) - Der Konsum von Schweinefleisch und die Schlachtzahlen in Deutschland sinken seit Jahren - in dieser Situation sorgt seit kurzem ein Nachfrageboom aus China wieder für Auftrieb bei den Schlachtpreisen.

Wegen des Handelskrieges zwischen Peking und Washington sowie der in China herrschenden Afrikanischen Schweinepest sei die Nachfrage nach europäischem Schweinefleisch im Reich der Mitte in den vergangenen drei Wochen sprunghaft angestiegen, sagte der Marktexperte der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Matthias Quaing, in Damme. «Der Schlachtpreis stieg in den vergangenen zwei Wochen um 20 Cent, das sind im Durchschnitt fast 20 Euro pro Schwein - so einen Anstieg hatten wir schon lange nicht mehr.»

Kehrseite der Medaille sei, dass viele mittelständische Fleischverarbeiter die gestiegenen Einkaufspreise nicht mehr refinanzieren könnten. Die Wursthersteller legen die Preise mit dem Lebensmitteleinzelhandel in längerfristigen Verträgen fest. Die Rechnung gehe am Ende nur auf, wenn der Handel die steigenden Preise auch an die Verbraucher weitergebe - sonst dürfte es für den einen oder anderen Wurstfabrikanten existenzielle Schwierigkeiten geben, sagte Quaing.

Auch die jährliche Erhebung der ISN unter den deutschen Schlachthöfen belege den schrumpfenden Schweinefleischmarkt, betonte Quaing. Die drei größten deutschen Schweine-Schlachtbetriebe sind demzufolge Tönnies, das niederländische Unternehmen Vion und die münstersche Genossenschaft Westfleisch. Der ostwestfälische Branchenprimus Tönnies hatte Mitte März ein Umsatz-Minus von 3,6 Prozent auf 6,65 Milliarden Euro für 2018 verkündet.