shareribs.com - Toronto 25.02.2020 - Analystin Vivien Azer von Cowen & Co. hat sich jüngst zu den Aussichten für den kanadischen Cannabissektor geäußert. Trotz des Starts von essbaren Cannabisprodukten in dem Land wurden die Prognosen gesenkt.

Azer geht davon aus, dass sich der Markt in den nächsten Jahren weniger stark entwickeln werde, als man noch im November erwartet hatte. Grund dafür sei die geringere Verfügbarkeit von essbaren Cannabisprodukten und die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des legalen Marktes gegenüber dem Schwarzmarkt.

Die Analystin gilt als Kennerin der Branche und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Cannabissektor. Für das laufende Jahr sieht Azer nun einen Umsatz der kanadischen Cannabisbranche von 3,5 Mrd. CAD, 32 Prozent weniger als noch im November erwartet wurde. Wie BNN Bloomberg mitteilte, ist es bereits die siebte Korrektur der Prognosen für 2020 seit Anfang 2017. Damals hatte man noch einen Absatz von 7,2 Mrd. CAD erwartet.

Seit der Legalisierung von Cannabis in Kanada blieb die Entwicklung des Marktes hinter den Erwartungen zurück. Die Unternehmen kämpfen mit dem Schwarzmarkt, der Bürokratie, unterschiedlichen Regelungen in den kanadischen Provinzen, sowie der mangelnden Verfügbarkeit von Cannabis.

Laut Azer verstehe die Branche die Herausforderungen um neue Verkaufsstelle und die Verfügbarkeit von hochqualitativen Blüten. Der langsame Marktstart von Cannabis 2.0 Produkten sorge nun dafür, dass es neue Risiken für die Umsatzentwicklung in der Branche gebe. Weiterhin belasteten die Überkapazitäten von getrockneten Produkten, eine unzureichende Anzahl von Verkaufsstellen in dichtbesiedelten Regionen, Störungen durch Führungswechsel in den Unternehmen und Entlassungen die Aussichten für den Markt.

Hinzukomme die Konkurrenz durch den Schwarzmarkt, der rund 80 Prozent geringere Preise je Gramm getrockneter Cannabisblüten aufruft. In der Folge, so Azer weiter, gehe man davon aus, dass 80 Prozent des Marktes in diesem Jahr in der Hand des Schwarzmarktes bleiben werde. Begründet wird dies auch mit der Annahme, dass die Strafverfolgung nicht in dem erforderlichen Maße umgesetzt werde.

Azer hält auch die Maßnahmen, die die Branche vornimmt, um das Geschäft vom Schwarzmarkt zu übertragen für risikoreich. So würden günstige Markenprodukte, die von den etablierten Produzenten angeboten werden, auf die Bruttomargen drücken und damit die angestrebte Profitabilität beeinträchtigen.

Azer hat im Rahmen der jüngsten Analyse ihre Einschätzungen für drei wichtige kanadische Produzenten angepasst. So wurden Aurora Cannabis, Sundial Growers und Tilray von „outperform“ auf „market perform“ reduziert. Canopy Growth blieb derweil bei „outperform“. Das Rating für die Cronos blieb bei „market perform“.

Gerade gegenüber Aurora Cannabis ist die Analystin skeptisch, da das Unternehmen über nur rund 200 Mio. CAD an Barbeständen verfüge, was nur für einige Quartale ausreiche.