Investoren können als Investmenthilfe einige Schlüsselfaktoren eines Unternehmens abwägen. Dazu gehören ein erfolgreiches Management, eine Erfolgsbilanz mit starken Leistungen und ob ein Unternehmen auf Wachstumstrends setzt. Auf Amazon (WKN: 906866) und Shopify (WKN: A14TJP) trifft das alles definitiv zu.

Amazon hat mit Jeff Bezos einen visionären Gründer und ist zu einem 1,6 Billionen USD (nach Marktkapitalisierung) schweren Einzelhandelsunternehmen herangewachsen. Shopify ist weniger bekannt, hat aber unter seinem visionären Gründer Tobi Lütke seit einem Börsengang im Jahr 2015 ein ähnliches Wachstum verzeichnet. Es hilft Händlern bei der Einrichtung digitaler Geschäfte und bietet dann Dienstleistungen an, die diesen Unternehmen beim Wachstum helfen.

Der E-Commerce wächst seit Jahren, aber er kam richtig in Schwung, als die Pandemie zu mehr Bestellungen nach Hause führte. Die Shopify-Aktien sind in diesem Jahr um etwa 130 % gestiegen. Amazon ist um etwa 70 % gestiegen. Welche ist im Moment die bessere Aktie? Sehen wir uns das mal an.

Ein Blick auf Shopify

Shopify verkauft Abonnements in erster Linie an kleine und mittlere Unternehmen, um einen Online-Shop für nur 29 USD pro Monat einzurichten und zu betreiben. Es verkauft auch Shopify Plus ab 2.000 USD pro Monat für größere Unternehmen. Das Unternehmen hat seine Händlerbasis schnell vergrößert, und im letzten Jahr hat es 1 Million Benutzer auf der Plattform überschritten. Das stellt eine wachsende Quelle monatlich wiederkehrender Einnahmen dar.

Im März, als die Unternehmen sich fix darum bemühten, Online-Shops einzurichten, verlängerte Shopify vorübergehend seine kostenlose Testversion von 14 Tagen auf 90 Tage. Dies trug dazu bei, dass die Zahl der neuen Kunden vom ersten Quartal bis zum zweiten Quartal 2020 um 71 % stieg. Das Unternehmen gab später an, dass neue Geschäfte, die während der verlängerten kostenlosen Testphase eingerichtet wurden, zu einer „etwas niedrigeren“ Rate konvertierten als Händler, die vor der Pandemie hinzukamen. Das Unternehmen stellte zudem fest, dass sich die Zeit der kostenlosen Testversion bei einigen Händlern bis in das dritte Quartal erstreckte. Deren Umwandlung in zahlende Kunden würde den Einnahmen in diesem Zeitraum zugutekommen. 

Sobald Shopify die Händler an Land zieht, verkauft es ihnen verschiedene Dienstleistungen, die von Marketing über Versand bis hin zu kurzfristigen Darlehen für Betriebskapital reichen. Shopify Payments, ein Zahlungsbearbeitungsdienst, ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Wachstum des Unternehmens mit dem Erfolg seiner Händler in Einklang gebracht wird.

Shopify Payments erhebt für jede Zahlung eine geringe Transaktionsgebühr. Wenn also die Händler mehr verkaufen, profitiert Shopify davon. Das Wachstum bei den Zahlungen im zweiten Quartal war überwältigend und führte zu einem enormen Anstieg des Gesamtumsatzes. Der Gesamtumsatz auf der Shopify-Plattform, das sogenannte Bruttowarenvolumen, belief sich auf 30,1 Milliarden USD, was einem Anstieg von 119 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Anteil von Shopify an seinem Zahlungsverarbeitungsdienst betrug 13,4 Milliarden USD, ein Anstieg von 131 %. Die Gesamteinnahmen sind gegenüber dem Vorjahr um 97 % in die Höhe geschossen.

Lütke, ein Mitgründer des 2006 gegründeten Unternehmens, bleibt CEO von Shopify. Er hat dafür gesorgt, dass das Unternehmen innovativ bleibt und wächst. Zu den jüngsten Wachstumsinitiativen gehört die Shop-App, eine mobile Plattform, die Käufer mit lokalen Shopify-Geschäften verbindet. Das Unternehmen kündigte auch eine Partnerschaft mit Walmart an, um mehr Shopify-Händler auf die Plattform des Einzelhandelsriesen zu bringen. Im Juni 2019 startete Shopify sein Fulfillment-Netzwerk, ein Service, der es den Händlern ermöglicht, Warenbestände in Versandzentren zu lagern, wo die Mitarbeiter die Lieferungen annehmen, verpacken und versenden.

Eine Online-Verkaufs-App, ein Fulfillment-Netzwerk und eine visionäre Führung? Klingt nach einer bekannten Wachstumsstrategie.

Das Diagramm unten zeigt das jüngste Wachstum einer 10.000-USD-Investition sowohl in Shopify als auch in Amazon.

Via YCharts

Ein Blick auf Amazon

Amazons Einnahmen im Jahr 2019 beliefen sich auf 281 Milliarden USD, und etwa 87 % davon waren auf Online-Verkäufe zurückzuführen. Aber das Beeindruckendste an Amazon ist nicht der wachsende Einzelhandelsumsatz. Es ist die Fähigkeit von Bezos, ein riesiges Unternehmen kontinuierlich in der Entwicklung zu halten und in neuen Bereichen zu wachsen.

Einer davon ist die digitale Werbung, das sogenannte „andere“ Segment des Unternehmens, das in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 8,1 Milliarden USD erwirtschaftete. Das sind 42 % mehr als im Vorjahr und es wird zu einem bedeutenderen Teil des Gesamtumsatzes des Unternehmens. Darüber hinaus ist Amazon Web Services (AWS) der Marktführer im Bereich Cloud Computing. Die Abteilung produzierte in den ersten sechs Monaten des Jahres 21 Milliarden USD, 31 % mehr als im Vorjahr. AWS ist für etwa zwei Drittel des Betriebsgewinns von Amazon verantwortlich.

Amazons Nettoumsatz stieg im zweiten Quartal um 40 % gegenüber dem Vorjahr, ein bemerkenswertes Wachstum für ein Unternehmen dieser Größe. Das Unternehmen erwirtschaftete in den letzten zwölf Monaten einen freien Cashflow von 31,9 Milliarden USD, der für Investitionen in künftiges Wachstum verwendet werden kann. Dazu gehört auch ein Vorstoß in den Lebensmitteleinzelhandel, wo Amazon den Marktführer Walmart übernimmt. Obwohl Lebensmittel ein Geschäft mit niedrigen Margen sind, ist der Markt gewaltig. Der Umsatz von Walmart im Lebensmitteleinzelhandel belief sich im vergangenen Jahr auf 190,6 Milliarden USD.

Bewertung und Fazit

Die Aktien von Amazon und Shopify sind stets hoch bewertet. Schließlich sind gute Unternehmen selten billig. Allerdings ist ihr Preis-Verkaufs-Verhältnis in den letzten Monaten besonders hoch geworden.

Unternehmen P/S-Verhältnis P/S-Verhältnis,
5-Jahres-Durchschnitt
Prozent über 5-Jahres-Durchschnitt
Amazon 4,9 3,4 44 %
Shopify 52,5 18,5 183 %

Via YCharts

Obwohl das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Shopify mehr als zehnmal so hoch ist wie das von Amazon, ist das schon nachvollziehbar. Shopify ist ein kleineres, schneller wachsendes Unternehmen. Das bedeutet in der Regel eine höhere Bewertung, da kleinere Unternehmen oft in neue Märkte expandieren, so wie es größere Unternehmen in ihren Anfangsjahren taten. Diese Expansion kann zu einem schnellen Umsatzwachstum führen und die Investoren sind bereit, für höheres Wachstum mehr zu zahlen.

Wichtig zu wissen ist, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Shopify fast das Dreifache des Fünfjahresdurchschnitts beträgt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Amazon war bis zu einem Rückgang neulich ebenfalls auf dem höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis zeigt, wie viel die Wall Street einen Dollar Umsatz bewertet. Im Fall von Shopify wird ein Dollar Umsatz im Aktienpreis mit 52,50 USD bewertet. Im Vergleich dazu liegt der Fünfjahresdurchschnitt des Unternehmens bei 18,50 USD. Kurz gesagt, der Aktienkurs ist viel schneller gestiegen als die Verkäufe. Das war bei Amazon auch der Fall, aber der Anstieg der Bewertung ist nicht unbedingt überraschend.

Der E-Commerce wächst seit Jahren und COVID-19 beschleunigte den Übergang zum Online-Shopping. Ich glaube, die Aussichten beider Unternehmen sind gut und der Kauf zu diesen Preisen wird sich langfristig (also in drei bis fünf Jahren und darüber hinaus) auszahlen. Kurzfristig könnte es jedoch holprig werden, wenn eines der beiden Wachstumsunternehmen hinter den hohen Erwartungen zurückbleibt. Diese Art von Rückgang könnte dann eine Kaufgelegenheit sein. 

Wenn ich heute nur eines kaufen würde, dann wäre es Amazon. Ich denke, Shopify hat die stärkeren Wachstumsaussichten, aber seine Bewertung ist irre hoch. Ich glaube, die niedrigere Bewertung von Amazon und die diversifizierte Einnahmequelle, die AWS bietet, machen das Unternehmen zu einem niedrigeren Risiko und zum derzeit besseren Kauf.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Shopify. Mike Strain besitzt Aktien von Amazon und Shopify. Dieser Artikel erschien am 27.9.2020 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2020

Autor: Mike Strain, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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