BERLIN (dpa-AFX) - In der Debatte um die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften fordert der Sozialverband VdK einen "großen Wurf". Verbandspräsidentin Verena Bentele sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) mit Hinweis auf den steuerfreien Corona-Bonus für Pflegekräfte in der Altenpflege: "Als einmalige Anerkennung nehmen die Angestellten den Pflegebonus sicher gerne mit, aber übrig bleibt hinterher das alte Problem: ein jahrzehntelanger Reformstau. Ein Pflegebonus ändert nichts an der systematischen Benachteiligung der sozialen Berufe."

Es seien bessere Rahmenbedingungen nötig, um Arbeit in der Pflege attraktiver zu machen. Dies bedeute für den VdK mehr Gehalt, bessere und verlässliche Arbeitszeiten, mehr Aufgaben und mehr Verantwortung. Dafür reichten Mindestlöhne nicht aus. "Nötig ist ein bundeseinheitlicher Tarifvertrag für alle Beschäftigten", forderte Bentele.

Der Bundestag hatte den steuerfreien Corona-Bonus von bis zu 1000 Euro Mitte Mai beschlossen. Länder oder die Arbeitgeber können den Bonus auf bis zu 1500 Euro aufstocken, die steuerfrei bleiben würden. Der Bonus gilt in der Altenpflege, nicht aber für Pflegekräfte in Kliniken, was parteiübergreifend für Kritik gesorgt hatte. Das Gesundheitsministerium verweist darauf, dass die Pflegekosten in Kliniken, die die Tarifpartner in Eigenregie regeln, von den gesetzlichen Krankenkassen gegenfinanziert würden. Daraus ergebe sich die Möglichkeit, solche Boni zu vereinbaren. Seit dem 1. Juli gelten in der Altenpflege zudem neue Mindestlöhne.

In den Hochzeiten der Corona-Pandemie hatte es vielerorts öffentlich Applaus unter anderem für Pflegekräfte gegeben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mahnte am Sonntag im ZDF auch eine bessere Bezahlung an. "Von der Wertschätzung kann man natürlich nicht dauerhaft zehren", sagte Steinmeier. "In einer Gesellschaft wie der unseren drückt sich eben Wertschätzung auch in Bezahlung aus und das wird sich jetzt zeigen, ob wir diese Bereitschaft tatsächlich haben", betonte der Bundespräsident./shy/DP/zb