Berlin (dpa) - Der letzte verkaufsoffene Tag vor dem harten Lockdown hat noch einmal viele Verbraucher zum Einkaufen in die Fußgängerzonen gelockt.

Egal ob auf dem Holm in Flensburg, auf den Planken in Mannheim oder in der Kaufinger-Straße in München: In zahlreichen Stadtzentren waren nach den Echtzeit-Daten des auf die Messung von Kundenfrequenzen spezialisierten Unternehmens Hystreet schon am Dienstagmittag überdurchschnittlich viele Konsumenten unterwegs.

Trotz langer Schlangen vor einzelnen Geschäften machte sich der Handel aber keine Hoffnung, mit dem letzten Kundenansturm noch das Weihnachtsgeschäft retten zu können. «Die sonst so umsatzstarke Phase zum Jahresende wird für viele Händler zum Fiasko», sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth in Berlin.

Hatte der Handelsverband anfang November noch mit Rekordumsätzen von fast 104 Milliarden Euro in diesem Weihnachtsgeschäft gerechnet, so geht er inzwischen davon aus, dass wegen des Lockdowns in diesem Jahr sechs Milliarden Euro weniger in den Kassen des Handels landen werden als im Vorjahr.

Insgesamt rechnet der Branchenverband in den Monaten November und Dezember nur noch mit Umsätzen von knapp 98 Milliarden Euro, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Zwar werde der Online-Handel seine Umsätze um fast ein Drittel auf knapp 20 Milliarden Euro steigern. Dies könne jedoch die Einbußen im stationären Handel nicht wettmachen, wo die Umsätze um 14 Prozent schrumpften.

In manchen Städten blieben aber die Kundenfrequenzen sogar am Dienstag eher gering. Tatsächlich wollte der größte Teil der Bundesbürger angesichts der hohen Infektionszahlen lieber auf einen letzten Einkaufsbummel vor dem Lockdown verzichten. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur wollten nur 13 Prozent der Verbraucher am Montag und Dienstag Weihnachtsgeschenke im stationären Handel kaufen. Über 80 Prozent der Befragten winkten ab.

Doch macht dem Handel nicht nur der Shutdown zu schaffen. Nach einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung Capgemini wollen 28 Prozent der Verbraucher in Deutschland in diesem Jahr ohnehin weniger Geld für Weihnachtseinkäufe ausgeben. Gründe dafür seien Einkommenseinbußen durch die Krise, aber auch die Corona-Beschränkungen beim Einkaufen. Jeder fünfte Befragte plant demnach in diesem Jahr auch deshalb weniger Geschenke, weil er zu Weihnachten weniger Familienmitglieder treffen wird.

Die Forderung des Handels, Einzelhändlern im Shutdown zumindest die Übergabe von im Internet bestellter Ware in den eigentlich geschlossenen Läden zu erlauben, stieß in den Bundesländern unterdessen auf unterschiedliche Resonanz. Nordrhein-Westfalen machte in seiner Corona-Verordnung den Weg dafür frei, wenn die Abholung «unter Beachtung von Schutzmaßnahmen vor Infektionen kontaktfrei erfolgen kann».

Und auch Rheinland-Pfalz gab grünes Licht dafür. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer appellierte sogar an die Bürger, während des Shutdowns beim örtlichen Einzelhandel zu bestellen. «Unterstützen Sie die lokalen Geschäfte in ihrer Umgebung», sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in ihrer Regierungserklärung in Mainz.

Baden-Württemberg untersagte dagegen die Abholung von Waren bei stationären Händlern mit wenigen Ausnahmen. Man wolle lange Schlangen vor den Geschäften und damit zusätzliche Kontakte unbedingt vermeiden, sagte ein Sprecher der Landesregierung. Auch Thüringen ließ ausschließlich den Versand oder die Lieferung von per Telefon oder online bestellter Ware zu.

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