BERLIN (dpa-AFX) - Kurz vor Aufhebung der Impfpriorisierung hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Bevölkerung um Geduld gebeten. "Nicht alle können gleichzeitig am Montag einen Termin bekommen", sagte Spahn der "Bild am Sonntag". "Deswegen bitte ich um Nachsicht mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Arztpraxen und Impfzentren. Sie tun ihr Bestes. Aber noch ist nicht genug für alle da."

Bei der Wartezeit bis zum Impftermin gehe es "jetzt um Wochen, nicht um Monate". Seine Prognose, wann Impfwillige ihre erste Dosis erhalten haben werden, korrigierte Spahn allerdings nach unten: "80 Prozent der impfwilligen Erwachsenen werden bis Mitte Juli mindestens einmal geimpft sein." In der ARD-Talkshow "Anne Will" vor einer Woche hatte Spahn noch von "an die 90 Prozent" bis Mitte Juli gesprochen.

Am Montag soll die Impfpriorisierung in ganz Deutschland aufgehoben werden. Die Impfkampagne in Deutschland hatte Ende vergangenen Jahres begonnen. Zunächst waren Menschen über 80, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und medizinisches Personal an der Reihe.Bevorzugt geimpft werden unter anderen auch chronisch Kranke mit erhöhtem Risiko für einen schweren und tödlichen Verlauf.

In der Woche, in der die Impfpriorisierung aufgehoben wird, stehen rund 6,7 Millionen Impfdosen zur Verfügung, wie die "Bild am Sonntag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete. Die Betriebsärzte erhielten in der Kalenderwoche 23 insgesamt 702 000 Dosen Biontech , die Praxen 2,6 Millionen Biontech-Dosen, 304 800 Astrazeneca -Dosen und 513 600 Dosen des Einmal-Impfstoffs von Johnson & Johnson. Die Impfzentren der Länder werden mit 1,6 Millionen Biontech-Dosen, 480 000 Astrazeneca-Dosen und 540 000 Dosen Moderna beliefert.

BDI-Präsident Siegfried Russwurm beklagt einen Mangel an Impfstoff zu Beginn der Betriebsimpfungen, die ebenfalls am Montag starten sollen. "Die Unternehmen berichten von sehr geringen Mengen Impfstoff, die zugeteilt werden. Einige zögern sogar, schon anzufangen, weil sie von Tausenden Mitarbeitern nicht ein paar Dutzend bevorzugen wollen", sagte Russwurm der "Bild am Sonntag". "Dabei könnte das Impfen laufen wie das Breznbacken, wenn die Betriebsärzte mehr Impfstoff bekämen. Da hätte ich mir von der Politik mehr Wumms erhofft."/hme/DP/zb