DRESDEN (dpa-AFX) - Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) lehnt trotz stark gestiegener Preise für Holz und andere Rohstoffe staatliche Eingriffe in den Markt ab. Rufe nach Exportregulierung oder Preisbeschränkungen gebe es schnell, sagte der Minister am Dienstag nach der Kabinettspressekonferenz in Dresden. Bei solchen Forderungen müsse man auch die Konsequenten bedenken, mahnte Dulig. "Jede Aktion, die wir aussprechen, führt immer zu einer Gegenreaktion." Deutschland sei als Exportland auf faire Bedingungen am Handelsmarkt angewiesen.

Am Montagabend hatte sich Dulig mit Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) sowie Vertretern von Wirtschaft und Handwerk zu einem virtuellen Runden Tisch getroffen. Die Dresdner Handwerkskammer hatte angesichts der drastisch gestiegenen Preise für Holz vor einer dramatischen Situation für viele Betriebe gesprochen und die Politik zum Handeln aufgefordert.

Zugleich kündigte Dulig an, die gestiegenen Rohstoffpreise und die Auswirkungen für die Bauindustrie auf der Wirtschaftsministerkonferenz am Mittwoch zu diskutieren. Man müsse auf europäischer Ebene schauen, ob die Bedingungen für den Handel bei Import und Export fair seien, sagte Dulig. Mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) soll nun beraten werden, wie die Branchen geschützt werden können und welche Instrumente es in Deutschland und Europa gebe, um Rohstoffe für die Bauwirtschaft zu sichern.

"Der Hilferuf ist bei uns angekommen", betonte Dulig. Zum einen sollen regionale Wertschöpfungsketten unterstützt werden. Zugleich wolle er prüfen, ob in ein neues Vergabegesetz eine sogenannte Preisgleitklausel verbindlich aufgenommen werden kann. Dann könnten Handwerksbetriebe unter bestimmten Bedingungen gestiegene Kosten bei Aufträgen für die öffentliche Hand umlegen. Zugleich appellierte er an Vergabestellen, die Klausel bereits jetzt zu nutzen.

Die steigenden Preise führte Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) vor allem auf einen Bau- und Wirtschaftsboom in den den USA und in Asien zurück. "Die Nachfrage ist der Haupttreiber für Preise." Auch in Europa steige die Nachfrage nach Baustoffen, der Markt sei praktisch leer gefegt. Die gestiegenen Preise beträfen vor allem bearbeitetes Holz, betonte Günther. Rohstofflieferanten bekämen für ihr Rundholz immer noch weniger als 2018 - vor der Borkenkäfer-Krise.

Der Staatsbetrieb Sachsenforst schlage etwa jedes Jahr zwischen 1,2 bis 1,4 Kubikmeter Holz, die Exportquote liege lediglich bei fünf Prozent. Das Handwerk hatte gefordert, weniger Holz zu exportieren. "Das ist kein wirklicher Hebel, die Probleme entstehen an anderer Stelle", entgegnete Günther. In etwa einem Monat soll es in Sachsen erneut einen Runden Tisch zu dem Thema geben./raz/DP/he